Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1269828
Kapitel. 
Venedig. 
Die Schule von 
543 
Jahre 1508 stammt die Darstellung des Todes und der Verklärung 
der Madonna in der Galerie zu Ferrara, ehemals in S. M. in Vado, 
bemerkenswerth durch den stillen, friedenvollen Ausdruck im Kopfe 
der keineswegs anmuthigen Madonna und durch die prächtigen Charakter- 
figuren der Apostel, sowie das tiefe, bräunliche Kolorit. Eins seiner 
tüchtigsten Werke ist sodann die Darstellung Christi im Tempel vom 
Jahr 1510, ehemals in S. Giobbe, jetzt in der Akademie zu Venedig, 
nur in den Köpfen von etwas leerem Ausdruck. Ein ganz Vortreff. 
liches Werk endlich ist die Tafel vom Jahr 1515, Welche aus S. Fran- 
cesco zu Treviso in dieselbe Sammlung gelangt ist. Sie stellt die 
Begegnung Joachims mit Anna in Begleitung des h. Ludwig und der 
h. Ursula dar und zeigt in dem freieren Adel der Gestalten, die von 
inniger Empfindung beseelt sind, eine Aufnahme von Elementen der 
neuen durch Tizian vertretenen Entwicklung, die vielleicht der Hülfe 
eines jüngeren Genossen zuzuschreiben ist. Im Üebrigen trat in 
den letzten Jahren seines Lebens, das wir urkundlich bis 1519 ver- 
folgen können, ein gewisses Nachlassen an Kraft und Tüchtigkeit ein; 
wir verzichten darauf, diese späteren Arbeiten zu verfolgen.  
Ein wenig bedeutender Genosse Carpaccids ist Lazzaro Bastiani, 
von welchem die Galerie zu Bergamo ein bezeichnetes Bild der Krö- 
nung Maria von 149O besitzt, die Akademie zu Venedig einen 
h. Onophrius: Werke, welche den Einfluss desAlvise Vivarini bezeugen. 
Etwas bedeutender erscheint Giovanni Mansuetzi, von welchem man in 
der Galerie zu Bergamo einen h. Hieronymus in reicher landschaft- 
licher Umgebung sieht, nicht ohne alterthümliche Befangenheit, aber 
anziehend durch die genrehafte Staifage, in welcher man Schiffer und 
Fischer, Hirten mit ihren Heerden und selbst eine Gruppe von Wasch- 
weibern erkennt. In mehreren grösseren Wunder- und Legenden- 
bildern in der Akademie zu Venedig, die aus den lScuole di S. Gio- 
vanni Ev. und di S. Marco stammen, zeigt er sich als Nacheiferer des 
Carpaccio. Zu diesem Cyclus gehört auch ein jetzt in der Brera zu 
Mailand befindliches Bild, welches die Taufe des Anianus durch den 
h. Marcus darstellt und mit etwas schwächerem Naturgefühl die Dar- 
stellungsweise Carpaccio's nachahmt. Dieselbe Wahrnehmung macht 
man an der sehr genrehaft. behandelten Geburt Christi inder Galerie 
zu Verona, die sich jedoch durch kraftvolle Tiefe des Farbentons 
auszeichnet. Wir nennen ausserdem noch eine übel zugerichtete Dar- 
stellung des im Tempel lehrenden Christus in den Uffizien, sowie 
einen segnenden Christus im Museum zu Berlin, welcher den gross-
        

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