Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1269798
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Buch. 
Die Frührenaissance. 
Anfang des Cyclus gemacht zu haben scheint, zeigt den Künstler in 
der malerischen Auffassung und der lebendigen Schilderung der Wirk- 
lichkeit, in der trefflichen perspektivischen Anordnung der Pläne bereits 
zu grosser Freiheit entwickelt. Köstlich sind Qsodann die grossen 
Ceremonienscenen, wie die englischen Gesandten als Brautwerber beim 
König Maurus in Audienz erscheinen, dann sich von ihm verabschieden, 
nach England zurückkehren und dem [Könige berichten; wie dieser 
seinen Sohn entlässt und der Prinz der h. Ursula begegnet; wie sie 
dann nach Rom kommen und vom Papst aufgenommen werden, das 
Alles in einer unerschöpflichen Mannigfaltigkeit der Schilderung, wobei 
reiche architektonische Gründe, Seehäfen mit stattlichen Fahrzeugen 
und dem bewegten Leben am Ufer, endlich eine Fülle lebensfrischer 
Porträts von Zeitgenossen, würdevoller senatorischer Männer, eleganter 
Jünglinge, edler Frauen und holder Jungfrauen von wahrhaft fesselndem 
Reiz sind. Den Abschluss macht das Martyrium und die Verherrlichung 
der Heiligen. Vergleicht man diese Werke mit den ungefähr gleich- 
zeitig entstandenen Scenen Memlings am Ürsulakasten in Brügge, so 
sieht man sofort, wie der nordische Künstler in seinen kleinen miniatur- 
artigen Bildchen mehr auf eine Schilderung der intimeren Beziehungen 
des Seelenlebens ausgeht, während der venezianische Meister im Sinne 
seiner Auftraggeber grosse Scenen von glänzender Repräsentation, wie 
sie das venezianische Staatsleben einer schaulustigen Menge darbieten 
mochte, verzog und mehr diesem äussern Glanz in voller Farbenpracht 
nachstrebte.   
In ähnlichem Stil schuf der Künstler noch mehrere ansehnliche 
Reihenfolgen, aus denen man erkennt, dass er für solche Aufgaben die 
beliebteste Persönlichkeit war. Noch am ursprünglichen Ort befindet 
sich der Cyclus von Bildern, mit welchen er seit 1502 die Kirche 
S. Giorgio de' Schiavoni zu schmücken hatte. Er malte in neun 
friesartigen Bildern Scenen aus den Legenden der dalmatinischen 
Schutzheiligen Georg, Hieronymus und Triphonius, Werke, welche 
durch die anziehende Lebendigkeit und die malerische Anwendung der 
Zeittracht fesseln, zugleich aber einen stärkeren Einiiuss Bellini's ver- 
rathen. In der Schilderung des h. Hieronymus in seiner Zelle hat er 
wieder eine gemüthliche Genrescene voll reizender Einzelheiten gelie- 
fert. Am wenigsten günstig erweist sich ihm das Andachtsbild, wie 
man an dem Altarstück der thronenden Madonna erkennt. Kurz vorher 
entstand für die Scuola di S. Giovanni Ev. das grosse Legendenbild, 
welches die wunderbare Heilung eines vom Teufel Besessenen durch
        

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