Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1269765
Kapitel. 
Schule von Venedig. 
Die 
537 
einem der malerischen Kanäle Venedigs verführt. Der Blick fällt auf 
eine der hohen Bogenbrücken, unter welchen Gondeln rasch dahin- 
schiessen, während sich auf derselben ein dichtes Gedränge von Zu- 
schauern in höchster Spannung zeigt. Auch das Ufer links ist mit 
Neugierigen besetzt, unter welchen eine ganze Garnitur neben einander 
knieender, reichgeschmückter, üppiger Venezianerinnen auffällt. Man 
erkennt in ihnen die Königin von Cypern Katharina Cornaro mit ihren 
Hofdamen. Ganz vorn auf einem schmalen Üferstreifen knieen in an- 
dächtiger Haltung würdevolle senatorische Gestalten, gegenüber ein 
junges Mädchen mit einer älteren Dame. Das Ereigniss, welches diese 
Menge in athemloser Spannung erhält, dreht sich wieder um einen 
Moment aus der Geschichte der heiligen Reliquie, die bei der Üeber- 
tragung in die Kirche S. Lorenzo in den Kanal gefallen war. Man 
sieht, wie verschiedene kühne Schwimmer sich sofort in den Kanal 
gestürzt haben, um das verlorene Kleinod aufzufischen, welches dann 
durch den Guardian der Brüderschaft, Andrea Vendramin, glücklich 
gefunden wird. In der Mitte des Kanals erblickt man ihn, die kost- 
bare Reliquie wie im Triumph emporhebend, während diese den des 
Schwimmens Unkundigen glücklich über Wasser erhält. Auch hier ver- 
einigen sich alle Vorzüge der Darstellung zu einer Wirkung, welche uns 
unmittelbar zu Zeugen des Vorgangs macht und die grossen Schwie- 
rigkeiten einer solchen Raumschilderung vollkommen überwindet. Noch 
ein ähnliches grosses Bild dieser Art, ursprünglich für die Scuola von 
S. Marco gemalt, jetzt in der Brera zu Mailand, besitzen wir an der 
grossen Darstellung der Predigt des h. Marcus zu Alexandria. Qbwohl 
ebenfalls durch Restauration nicht wenig geschädigt, fesselt es noch 
immer durch die lebensvolle Auffassung, die meisterhafte Vertheilung 
von Licht- und Schattenmassen, die treffliche perspektivische Behand- 
lung und den feinen Luftton. (Unsere Fig. 155 giebt nur einen Theil 
des Bildes.) Der Künstler hat dies Werk nicht mehr selbst vollenden 
können, denn als er kurz vor seinem Tode sein Testament machte, 
versprach er seinem Bruder Giovanni das Skizzenbuch ihres Vaters, 
wenn er dieses Bild vollenden würde. Dieser hat dann auch dem 
Wunsche des Bruders bereitwillig entsprochen. 
Dass Gentile als Porträtmaler im höchsten Rufe stand, lässt sich 
aus seiner ganzen Richtung wohl begreifen; doch sind die in den 
Galerien ihm beigelegten Bildnisse grösstentheils ilntergeschoben. Am 
ersten darf man ihm ein männliches Brustbild in der Pinakothek zu 
München zuschreiben, welches dort als Selbstporträt seines Bruders
        

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