Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1269741
Kapitel. 
Schule von 
Die 
Venedig, 
535 
Grunde gegangen, aber wir besitzen doch noch einige Proben seines- 
Schaffens, welche uns über die Auffassung dieser ganzen Schule Auf- 
schluss gewähren. Im Gegensatz zu den Florentinern, namentlich 
einem Masaccio, Ghirlandajo, Fra Filippo, welche das Historienbild 
nach den Gesichtspunkten architektonischen Aufbaues, plastischer Linien- 
führung und Gruppirung anordnen, entsteht hier eine Oompositionsweise, 
welche sich von diesen Fesseln frei macht und nach rein malerischen 
Gesetzen, nach Kontrasten von'Licht und Schatten, von kalten und 
warmen Tönen ihre Werke anlegt. Dabei kommt ihnen eine tiefe 
Kenntniss der Perspektive zu Statten, welche nicht erst durch den 
bekannten Mathematiker Girolamo Malatini, sondern schon durch das 
Studium der Paduaner und die Verbindung mit Mantegna gefördert 
worden War. Erstaunlich ist auf diesen grossen Bildern die lebensvolle 
WVahrheit, mit welcher sich die mannigfaltigsten Gruppen in vertieften 
Räumen bewegen; bewundernswürdig die Schärfe der Beobachtung, welche 
uns das damalige Venedig mitffseinen Strassen, Platzen, Kirchen und 
Palästen, mit dem bunten Reiz seiner aus dem Orient und Occident zu- 
sammenströmenden Menschenstaifage wiedergiebt. Mit all dem sind in- 
dess diese grossen Bilder immerhin nur kulturgeschichtliche Genrescenen, 
denen doch die grosse geschichtliche Auffassung der Florentiner mangelt. 
Noch alterthümlich befangen und doch von einer Grossartigkeit, 
in welcher man deg, Einfluss Mantegna's spürt, sind die kolossalen 
1464 entstandenen Figuren an den Orgelthüren von S. Marco, bei 
denen auch die reiche Ausstattung mit römischen Architekturformen 
und Fruchtgewinden an. die Paduaner erinnert. Entwickelter schon 
zeigt sich Gentile's Stil auf einem Madonnenbilde im Museum zu Ber- 
lin Nr. 1180, bezeichnet „opus Gentilis Bellinus". Die beiden knieen- 
den Stifter, Mann und Frau, verrathen eine bedeutende Auffassung, 
das Ganze aber ist trocken, hölzern, in "reizloser Tempera durch- 
geführt. Man wirdidas Werk gewiss noch vor 1470 setzen dürfen. Im 
Jahre 1474 wurde Gentile beauftragt, die Gemälde im Rathsaal des 
Dogenpalastes herzustellen und zu erneuern, mit der Anwartschaft 
auf eine Maklerstelle im Kaufhause der Deutschen. Man war mit 
seinen Arbeiten so zufrieden, dass als 1479 Sultan Mohamed II., der 
Eroberer Konstantinopels, die venezianische Regierung bat, ihm einen 
tüchtigen Maler zu senden, man Gentile mit zwei Gehülfen auf Staats- 
kosten hinschickte. Dieser wurde am Hofe des Sultans mit Auszeich- 
nung empfangen, über ein Jahr lang ehrenvoll gastlich verpflegt und 
dann, mit der Ritterwürde und ansehnlicher Vergabung beschenkt,
        

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