Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1269707
Kapitel. 
VOII 
Schule 
Die 
Venedig. 
531 
cesco zu Pesaro, in welcher zwar die Oeltechnik schon herrscht, die 
einzelnen Gestalten aber noch nicht frei von einer gewissen strengen 
Herbigkeit der Charakteristik sind, während die kleinen Darstellungen 
der Predella sich durch grosse Lebendigkeit auszeichnen. Zu diesen 
früheren Werken gehört dann auch die Verklärung Christi im Museum 
zu Neapel, die schon desshalb von grosser Bedeutung ist, weil hier 
zum ersten Mal die landschaftliche Umgebung zur Hauptsache wird 
und die Figuren in kleinerm Maassstabe fast zur Staffage verschrumpfen. 
In der That sieht man, wie der Meister sich die Aufgabe gestellt hat, 
durch eine allerdings noch nicht vollkommene Anwendung der Luft- 
perspektive die einzelnen Gründe der Landschaft abzustufen; ein deut- 
licher Beweis von dem durch Antonello da Messina vermittelten Einfluss 
der Niederländer, der sich auch in dem ungemein zierlichen Detail des 
Vordergrundes verräth. Bedeutsam sind die Gestalten Christi, des 
Moses und Elias, naiv die Geberden der Bestürzung und Verwunderung 
bei den Jüngern, unter denen Johannes sehr edel charakterisirt ist. 
Klar und goldig ist der Farbenton des Ganzen. 
Jedes weitere Werk bietet einen neuen Beleg für das ilnablässige 
Streben nach Vollendung, das in wenigen Künstlern mit solcher Be- 
harrlichkeit und treuen Gewissenhaftigkeit sich offenbart. Neben der 
Oelmalerei ist auch das Fresko nicht ganz von Bellini vernachlässigt 
worden. Einen Beweis seiner Tüchtigkeit auch in dieser Technik darf 
man vielleicht in dem 1490 entstandenen Grabmal des Senators Onigo 
in S. Niccolb zu Treviso erkennen, das besonders durch die beiden 
prächtigen lebensvollen Kriegergestalten, welche das Grab bewachen, 
an den freien und hohen Naturalismus Bellini's erinnert. Wichtiger 
allerdings ist die Reihenfolge seiner grossen Altarbilder, von denen 
man zunächst ein vielleicht um 1500 entstandenes treffliches Bild der 
Taufe Christi in S. Corona zu Vicenza sieht. Ganz herrlich im Aus- 
druck milder Ergebenheit ist Christus, auf welchen der Täufer mit der 
Gebälrde lebhafter Erregung zuschreitet, um den Akt der Taufe an 
ihm zu vollziehen, Während Gottvater und der h. Geist vom Himmel 
herabschweben und drei schöne Engel in langen Gewändern assistiren. 
Eine ernste Gebirgslandschaft schliesst die Composition ein und erhöht 
die feierliche Stimmung. Zu noch höherer Freiheit entfaltet sich die 
Meisterschaft des rastlos strebenden Künstlers in der herrlichen Schö- 
pfung seines achtzigsten Lebensjahres, der thronenden Madonna mit 
den h. Petrus und Hieronymus, Katharina und Lucia aus dem Jahre 
1505 in S. Zaccaria zu Venedig. Hier herrscht jene milde Weichheit
        

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