Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1264294
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Buch. 
hlittelalter. 
Das 
ist achteckig mit vier rechtwinkligen und vier halbkreisförmigen Nischen. 
In der einen Apsis sieht man in felsiger Landschaft auf einem Wiesen- 
grund mit weissen Blümchen vier Hirten mit drei Lämmern, welche 
ihren Durst an einer Quelle löschen. Man darf keinen historischen 
Moment, wie es wohl geschehen, in dieser rein symbolischen Darstellung 
suchen. In der andern Apsis thront der jugendliche Christus als Lehrer 
zwischen den in zwei Reihen angeordneten Aposteln, die gleich dem 
Heiland, mit Ausnahme von Petrus und Paulus, unbärtig sind, sammt- 
lich in weissen Gewändern und in antiker Lebendigkeit der Auffassung, 
die besonders durch mannigfaltige Armbewegungen sich ausspricht. 
_Herrscht hier überall noch das symbolische Element vor, so 
weicht dasselbe der historischen Auffassung in den grossen gleichzeitig 
ausgeführten römischen Werken. Mitten unter den drohenden Gefahren 
des nur mit Mühe abgewandten Einfalls der Hunnen unter Attila (452) 
und der gleich darauf durch die Vandalen Geisericlfs erlittenen Ein- 
nahme und Plünderung der ewigen Stadt entstand eine Reihe kirch- 
licher Denkmäler mit grossartigem musivischem Schmuck. Vor allem 
liess Galla Placidia gegen 440 die gewaltige Basilika S. Paolo mit 
Mosaiken schmücken, von denen freilich bei dem Brande des Jahres T1823 
nur die an der Wand des Triumphbogens, und auch diese nicht ohne 
starke Restaurationen, erhalten geblieben sind. (Fig.1O.) In der Mitte 
des Bogens zeigt sich das kolossale Brustbild Christi, in strahlenförmigem 
Nimbus, die Rechte feierlich zum Segnen erhoben, in der Linken einen 
Stab haltend. Der Künstler hat im Streben nach Feierlichkeit dem 
Kopf einen greisenhaft mürrischen Ausdruck gegeben und zum ersten 
Mal die düstere Ascetik in der Auffassung der erhabensten christlichen 
(Stestalt zur Geltung gebracht. Zu beiden Seiten sieht man die Symbole 
der Evangelisten und die feierlichen Gestalten der Apostelfürsten Petrus 
und Paulus. Weiter unterhalb nahen von beiden Seiten, gleichmässig 
und steif in Reihen geordnet, die 24 Aeltesten in weissen Gewändern, 
ihre Kronen mit den Händen darreichend und auf Christus zusehreitend. 
Zu beiden Seiten endlich Petrus und Paulus. Diese Arbeiten sind roh, 
geistlos und starr; sie scheinen zu beweisen, dass die Stifterin in Ravenna 
weit tüchtigere Künstlcrkräfte zur Verfügung hatte als in dem schon 
tief gesunkenen Rom. Besser sind freilich die wahrscheinlich kurz 
vorher unter Sixtus III. (432-440) entstandenen Mosaiken in S. Maria 
Maggiore. Weniger gilt dies allerdings von dem Mosaik des Triumph- 
bßgellS, welches in mehreren Streifen übereinander Scenen aus der 
Jugcndgeschichte Christi enthält, durchweg noch in antiker Auffassung
        

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