Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1269658
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Buch. 
Die Frührenaissance. 
dem Namen des Meisters und dem Datum 1487 bezeichnet. Auch 
hier steht das Kind, von der Mutter umfasst, auf einer Marmor- 
brüstung, und obwohl der Ausdruck der Madonna keine besondere 
Innigkeit zeigt, sind vielleicht zum ersten Mal der Kopf der Mutter 
und das Gesichtchen des Kindes von vollendetem Liebreiz, ausserdem 
die malerische Ausführung von höchster Zartheit. Aus der Landschaft 
des Hintergrundes ragen zu beiden Seiten des hinter der Madonna 
ausgespannten Teppichs etwas zu symmetrisch angeordnet zwei schlanke 
Bäumchen mit üppigen Laubkronen empor. Ein ziemlich frühes Bild 
ist dann in derselben Sammlung die Madonna, welche das auf ihrem 
Schooss schlafende Kind anbetet, noch in Tempera ausgeführt. Von 
wunderbar tiefem Farbenakkord, in" braunlichem Gesammtton mit 
höchster Kraft des Kolorits durchgeführt, ist die köstliche Madonna- 
der Nationalgalerie zu London, offenbar ein Werk der vollendeten 
Meisterschaft. Der landschaftliche Hintergrund zeigt die steilen Ab- 
hange der friaulischen Schneegebirge. Noch einmal greift dann der 
Künstler in der Madonna der Brera von 1519 zu dem schlichten 
Thema der früheren Zeit zurück und giebt ein Werk, das zwar in 
den Köpfen die volle Kraft vermissen lässt, aber in der Farbe eine 
Weichheit und einen Schmelz erreicht, welche bereits eine Vorahnung 
Tizians enthält, wie denn auch die Landschaft von wunderbarem 
Zauber ist.  
Wir dürfen diese einfacheren Werke verlassen, um zu denjenigen 
überzugehen, in welchen der Meister das Thema reicher zu entfalten 
sucht. Zunächst hält er an dem idyllischen Grundton fest, indem er 
die Mutter mit dem Kindc in derselben anspruchslosen Weise verführt, 
aber ein Paar Heilige als trauliche Genossenschaft hinzufügt. So die 
noch frühe Madonna der Akademie, welche das vor ihr auf einem 
Kissen sitzende Christuskind halt, während Katharina und Magdalena 
andachtsvoll daneben stehen. Hier erhebt sich der Weibliche Typus 
zu edler Anmuth, wenngleich in den etwas schweren Händen und der 
mühsamen Verkürzung des Kindes sich noch eine gewisse Befangenheit 
spüren lässt. Das Kolorit ist überaus warm und kraftvoll, der Gesammt- 
eindruck von mildem Ernst. Freier und vollkommener gestaltet sich 
das Thema in dem köstlichen Bilde derselben Sammlung, welches die 
Madonna von den markig realistischen Gestalten der h. Paulus und 
Georg umgeben zeigt. (Fig.153.) Hier erreicht er in dem lieblichen 
Kind und der vornehmen Madonna das volle Ideal venezianischer 
Schönheit, und die Farbe zeigt den milden Ton mit zarten grauen
        

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