Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1269632
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Buch. 
Die Frührenaissgnce. 
Kirchenstücke. Schon Jacopo Bellini hatte solche kleinere Tafeln 
geschaffen, aber erst Giovanni giebt ihnen die Vollendung, indem er 
namentlich zumeist durch landschaftliche Hintergründe den idyllischen 
Charakter solcher Familienscenen betont. Auch die Florentiner hatten 
seit Fra Filippo diese Art privater Andachtsbilder gepflegt, aber bei 
ihnen nahmen dieselben gern die runde Medaillonform an, die bei den 
Venezianern, wie es scheint, nicht vorkommt. Sodann ist ein bemerkens- 
Werther Unterschied, dass namentlich bei Fra Filippo, aber auch bei 
den übrigen Florentinern, die Madonna häufig von dem zart schüch- 
ternen, fast noch kindlichen Wesen der Jungfrau durchhaucht ist, wäh- 
rend Bellini stets den fraulichen Charakter der Muttier hervorhebt. 
Auch von jener innigen Zärtlichkeit, mit welcher sonst wohl die 
Gottesmutter sich zu ihrem Kinde wendet, ist bei ihm kaum ein leiser 
Anklang zu spüren. Vielmehr halt sie das vor ihr meist auf einer 
Marmorbrüstung stehende oder auf einem Kissen sitzende Kind in völlig 
ruhigem Ausdruck, der manchmal an Theilnahmlosigkeit grenzt, vor 
sich, wie wenn es ihr nur zur Wartung anvertraut wäre. Keine Frage, 
hier ist ein letzter Rest jener kirchlichen Weihe und Feierlichkeit, 
Welcher die Gottesmutter gleichsam nur als ein weiblicher Christophoros 
(Christusträger) erscheint. Diese merkwürdige Gelassenheit, die allein 
schon den Bellini'schen Madonnen etwas Vornehmes giebt, gegenüber 
dem mehr bürgerlich gemüthlichen Charakter der Florentiner, geht 
dann auch auf die begleitenden Heiligen über, wo solche angebracht 
sind, so dass von den lebendigeren Beziehungen, in welche die Floren- 
tiner, namentlich ein Botticelli und Ghirlandajo, die Gestalten setzen, 
hier nicht die Rede ist. Aber nach Ueberwindung der früheren herben 
und selbst harten Formgebung erreicht der Meister bald, durch Anto- 
nello's Anregung auf die neue Malweise hingewiesen, einen Schmelz 
des Kolorits, eine Harmonie der Töne und eine Weichheit in Form 
und Ausdruck, dass allein schon durch diese gleichsam musikalische 
Stimmung, im Gegensatz zu der mehr plastischen der Paduaner und 
selbst der Florentiner, seinen Madonnendarstellungen der Zauber rein 
menschlicher Hoheit und Anmuth verliehen wird. 
Zu den früheren dieser Bilder gehört eine Madonna in der Aka- 
demie zu Venedig, aus der Galerie Üontarini, welche das vor ihr 
stehende Kind an sich drückt: noch ungemein hart und mühsam in 
der Ausführung, ohne malerischen Reiz. Verwandter Art in ähnlicher 
Anordnung ist das Bild des Museums zu Berlin, Nr. 11-, Welches 
ebenfalls noch etwas Steifes und Befangenes in Haltung und Behand-
        

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