Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1264288
Kapitel. 
Epoche. 
Altchristli ehe 
und mit ihrem Mausoleum schmückte. Denn obwohl sie sich später 
nach Rom begab und dort starb, wollte sie doch in ihrem geliebten 
Ravenna begraben sein. Die Grabkapelle ist in Form eines lateinischen 
Kreuzes gebaut, dessen Arme mit Tonnengewölben bedeckt sind, 
während über der Durchsehneidung sich eine Kuppel in Form einer 
sogenannten böhmischen Kappe erhebt. Sammtliche Gewölbflächen 
sind mit Mosaiken auf dunkelblauem Grund, in welchem Goldernamente 
eingewebt scheinen, geschmückt. In der Kuppel sind es goldne Sterne, 
im östlichen und westlichen Kreuzarm prächtige Rosetten, in den beiden 
andern Armen goldne Ranken von schöner Zeichnung. Die Farben- 
pracht und ornamentale Wirkung übertrifft alle andern Werke dieser 
Gattung. Dazu kommen figürliche Darstellungen einfach symbolischer 
Art, über dem Eingang der gute Hirt, eine Idylle noch ganz im klas_ 
sischen Sinn der Katakombenkunst. (Fig. 9.) Gegenüber in der Lünette 
des Chors Christus als bärtiger Mann in majestatiseher Haltung. Neben 
ihm sieht man einen Bücherschrank, Welcher die Namen der Evan- 
gelisten enthält, während auf einem Roste andre Bücher, wahrscheinlich 
die Schriften der Arianer, verbrannt werden. Diese höchst eigenthüm- 
liche, ja einzig dastehende Scene verdankt wahrscheinlich ihre Ent- 
stehung dem Gegensatz gegen die damals weit verbreitete Sekte der 
Arianer. An den Wänden des hoch aufragenden quadratischen Mittel- 
raumes sind jedes Mal zwei Figuren von Heiligen in weissen Feierklei- 
dern angeordnet, getrennt durch eine Schaale mit trinkenden Tauben. 
Im Scheitel der Kuppel erscheint zwischen den Sinnbildern der Evan- 
gelisten auf dunkelblauem Grunde das goldstrahlende Kreuz. Endlich 
sieht man zwischen den Weinranken der Querarme, Wiederum als 
Symbole der heilsdurstigen Seelen, Hirsche an der Quelle dargestellt. 
Die feierliche Wirkung des Ganzen erhält durch das spärliche, durch 
wenige kleine Fenster einfallende Licht etwas Mystisches Die mu- 
sivische Kunst der altchristlichen Epoche ist hier auf einem kaum 
übertroifenen Höhepunkte angelangt. 
Von ähnlicher Art war ohne Zweifel auch die Ausstattung der 
drei andern von dieser Fürstin in Ravenna gestifteten Basiliken, 
S. Agata, S. F rancesco und S. Giovanni Evangelista. Leider sind nur 
die alten-Marmorsäulen derselben erhalten, während die ursprüngliche 
dekorative Ausstattung durch Umbauten vernichtet wurde. Dagegen 
haben sich zu Mailand in der Kapelle S. Aquilino bei S. Lorenzo 
Mosaiken erhalten, die man nach dem ebenfalls noch vorwiegend sym- 
bolischen Gepräge ilngefähr in die gleiche Zeit setzen darf. Die Kapellp 
Liibke, Italien. Malerei. I. 3
        

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