Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1269586
Kapitel. 
Die 
Schule 
Venedig 
V01] 
521 
Crivelli scheint sich dann in Ascoli niedergelassen zu haben, wo 
er für die meisten Städte in den Marken seit 1468 so Zahlreiche Werke 
geschaffen, dass noch jetzt eine grosse Zahl derselben dort zu finden. 
Wir verzichten darauf, alle diese Werke zu erwähnen und begnügen 
uns damit, einige der bedeutendsten Arbeiten hervorzuheben. Dahin 
gehört in der Nationalgalerie zu London ein aus vielen Theilen zu- 
sammengesetztes Altarstück vom Jahre 1476 aus S. Domenico in Ascoli: 
im Mittelfelde die Madonna mit dem Kinde auf einem mit Frucht- 
gewinden geschmückten Throne. Hier kommt eine freiere Anmuth 
zum Durchbruch, besonders in dem herzigen Christuskinde, das neu- 
gierig über die Hand der Mutter sich vorbeugend hinabblickt. Da- 
neben auf besondren Feldern vier Heilige, ebensoviele in der zweiten, 
oberen Reihe und nochmals in den Giebelkrönungen. Die alterthüm- 
liche lose Zusammenstellung einer Anzahl von Einzeliigilren ist hier 
also noch unverändert beibehalten. Vom Jahre 1481 besitzt die Galerie 
des Lateran in Rom eine thronende Madonna, vom folgenden Jahre 
sodann die Brcra eine Madonna mit vier Heiligen, die den Künstler 
wieder in stetigem Fortschritt zeigt, die knöchernen Hände und das 
etwas starre Gesicht der Madonna sind zwar noch Merkmale alter- 
thümlicher Befangenheit, aber die Gediegenheit und die flandrische 
Pracht der Farbe beim Festhalten an der Tempera bewundernswerth. 
Auch die Verkündigung vom Jahre 1486 in der Nationalgalerie zu 
London, die beiden Madonnen und die beiden Darstellungen derPieta 
in Dudley-House daselbst, die ungemein grossartigen Tafeln mit den 
h. Hieronymus und Augustinus in der Brera (weit roher, offenbar 
von Schülerhand ebendort zwei andre Tafeln mit je drei Heiligen- 
figuren), ferner in derselben Sammlung ein Gekreuzigter mit Maria 
und Johannes, wiederum von übertriebener Schmerzensgrimassc, aber 
intensiver Farbe und energischer Form, endlich eine grössere Compo- 
sition der Pieta in der Galerie des Vatikan, von mächtiger Dramatik, 
gehören ungefähr derselben Entwicklungsepoche an. 
Als Ascoli 1489 sich von der päpstlichen Herrschaft losriss und 
Ferdinand von Aragonien die Thore öffnete, wurde Crivelli 1490 zum 
Ritter erhoben und nennt sich seitdem auf seinen Bildern stets nmiles" 
oder veques", was für die Zeitbestimmung der etwa nicht datirten 
Werke zu beachten ist. Zu welcher Tiefe, Leuchtkraft und Schönheit 
der Farbe der Künstler sich damals zu erheben vermochte, beweist 
die köstliche Madonna in der Brera, aus S. Domenico zu Camerino 
(Fig. 15O), bei welcher ein Rest alterthiimlicher Befangenheit den
        

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