Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1269559
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Buch. 
Die Frührenaissance. 
milder und weicher einige andre Einzelfiguren von Heiligen, unter 
denen namentlich S. Lorenzo hervorzuheben ist. Machtvoll und gross- 
artig, nicht ohne Härte ist die grosse Altartafel der thronenden Ma- 
donna mit sechs Heiligen und zwei musicirenden Engeln im Museum 
zu Berlin (Nr. 38), bezeichnet mit dem Namen des Künstlers, ohne 
Frage eines seiner bedeutendsten Werke. Zur vollen Durchbildung in 
grossartig freiem Aufbau, in tiefer Leuchtkraft des Kolorits bei scharf 
einfallendem Seitenlicht, in mächtiger Charakteristik der Köpfe und 
freier Bewegung der Gestalten erhebt sich Luigi in einer anderen 
grossen Altartafel derselben Sammlung (Nr. 1165), welche die Madonna 
thronend unter stattlicher Renaissancehalle, von vier Heiligen umgeben, 
darstellt. Wir wissen, dass diese Tafel im Jahr 1501 für die Kirche 
der Battuti um den Preis von hundert Dukaten gemalt wurde. Nicht 
minder werthvoll ist das 1503 für die Capp. Milanesi (dritte Chor- 
kapelle links) in S. M. de' Frari zu Venedig ausgeführte Altarbild des 
thronenden Ambrosius, das ebenfalls durch feierliche Anordnung, tiefe 
Farbenglut und treffliches Helldunkel, sowie durch energische Schatten- 
gebung hervorragt. Das Werk wurde, da der Künstler darüber starb, 
von M. Basaiti vollendet. 
Man erkennt aus diesen Prachtwerken deutlich den Wetteifer 
Luigi's mit Giovanni Bellini, für welchen wir auch ein aktenmässiges 
Zeugniss besitzen. Als nämlich die beiden Bellini mit umfangreichen 
Aufträgen für den Saal des Grossen Raths betraut wurden, richtete 
Vivarini im Jahre 1488 ein Gesuch an die höchsten Behörden, in 
welchem er sich anbot, ebenfalls ein Bild auf Leinwand für jenen 
Saal auszuführen, und zwar „in der Malweise, welche gegenwärtig bei 
den Brüdern Bellini in Gebrauch ist". Man ging auf dies Gesuch ein 
und wies ihn an, zwei Darstellungen aus der Geschichte Venedigs zu 
malen, wofür er ein Jahrgeld von sechzig Dukaten erhielt. Seine 
Bilder gewannen sich durch tüchtige Bildnisse und treffliche Perspek- 
tive allgemeine Anerkennung; um so mehr ist es zu beklagen, dass 
sie sammt dem ganzen übrigen Schmuck durch den verheerenden 
Brand des Jahres 1577 zu Grunde gegangen sind. Es bleibt uns 
daher kein Mittel zu beurtheilen, in welchem Grade Luigi der Schil- 
derung historischer Vorgänge gewachsen war. Ausserdem verharrte 
er in fleissiger Herstellung von Andachtsbildern, welche sich fast 
immer um die Schilderung der Madonna mit ihrem Hofstaat von 
Heiligen bewegen. I'm Belvedere zu Wien sieht man eine kleinere 
Madonna mit dem Kinde und zwei musicirenden Engeln vom Jahr 1489,
        

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