Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1269539
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Buch. 
Die 
Frührenaissance. 
reizend die Haltung des Kindes, leicht und fein auf Goldgrund die 
Temperafarbe. 
Um 1473 kam nun ein Umschwung in die venezianische Malerei, 
der ihr ganz neue Bahnen anwies und sie befähigte, das in ihr lie- 
gende, durch den Charakter des venezianischen Lebens geforderte 
Ideal zu verwirklichen. Höchste Pracht und glänzende farbige Er- 
scheinung war schon durch die musivische Kunst den Venezianern als 
Aufgabe der Malerei hingestellt worden; allein in den Grenzen der 
alten Temperatechnik liess sich dieser Forderung nur in bedingter 
Weise genügen. Da trat ein Künstler aus Ünteritalien, Antonello da 
Messina, auf, der bei den van Eyck in Flandern die Oelmalerei erlernt 
hatte und diese Malweise zunächst nach Venedig verpflanzte. Man sieht 
sofort unter den dortigen Künstlern einen Wetteifer, sich der Vortheile 
der neuen Technik zu versichern. Bartolommeo war einer der ersten, 
die diese Bahn betraten. Im rechten Querschiff von S. Giovanni 
e Paolo hängt ein Altarwerk mit dem thronenden Augustinus, bezeichnet 
mit dem Künstlernamen und der Jahrzahl 1473. Dazu in der Sakristei 
noch die h. Laurentius und Dominicus. Hier verbindet sich mit einer 
an Mantegna erinnernden Grösse des Stils eine tiefe leuchtende Farben- 
kraft, die in noch erhöhter Weise an dem thronenden Marcus im 
linken Kreuzschiff von S. M. de' Frari vom Jahr 1474 wiederkehrt. 
Diese Gestalt, sowie die je zwei Heiligen auf den beiden Seitenflügeln 
sind energische, charaktervolle Typen in feierlicher Haltung, von tiefer 
mit den besten Flandrern wetteifernder Farbenglut. Vollkommneres 
hat Bartolommeo nicht geschaffen; man glaubt zu fühlen, mit welcher 
Begeisterung er sofort die neue Kunstweise erfasst hat. 
In den späteren Werken des Meisters gewahrt man bei einer 
wahrscheinlich durch massenhafte Bestellungen hervorgerufenen iiüch- 
tigeren Produktion, ähnlich wie wir es bei Perugino wahrnahmen, viel- 
fach die Mitwirkung von Gehülfen und dadurch ungleiche Leistungen. 
So ist die grosse Altartafel vom Jahr 1477 im Belvedere zu Wien 
mit dem thronenden Ambrosius auffallend kühl und bunt, mit unschön 
gebauschten Gewändern, obwohl die Köpfe den charaktervoll energischen 
Stil Vivarinfs bewahren. Werthvoller ist eine thronende Madonna mit 
dem h. Rochus in S. Eufemia zu Venedig vom Jahr 1480 und eine 
Altartafel von 1482 im rechten Querschiff von S. M. de' Frari, 
welche ebenfalls die thronende Jungfrau mit dem Kinde in einer an 
Giov. Bellini erinnernden Auffassung enthält, daneben auf den Seiten- 
tafeln je zwei Heilige, derb und schwer in Form und Modellirung,
        

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