Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1269481
Kapitel. 
V01] 
Die Schule 
Venedig. 
511 
Venedigs geweiht hatte, durch den Spruch des Rathes der Zehn seines 
Amtes entsetzt ward und, auf seinen Stab gestützt, aller Abzeichen 
seines hohen Ranges entkleidet, die Riesentreppe hinabstieg, murrte 
zwar das Volk, unterwarf sich aber dem Verbote der Staatsinquisitoren, 
von dieser Angelegenheit nicht mehr zu reden. Nur solch eiserne 
Macht, nur die absolute Rücksichtslosigkeit, die vor keiner Grausamkeit 
zurückbebte, vermochte ein Staatswesen aufrecht zu erhalten, in wel-i 
chem die Traditionen der Kriegfuhrung und Diplomatie in der kleinen 
aristokratischen Genossenschaft forterbten, deren Namen im „Goldenen 
Buche" verzeichnet standen. 
Nachdem schon früh die Küstenstriche Dalmatiens und Istriens 
in die Macht Venedigs gelangt waren, denen sich bald die Eroberung 
Kandiafs und der meisten Inseln des Aegäischen Meeres anschloss, 
wurde 1381 die mehr als hundertjährige Fehde mit Genua durch den 
glänzenden Sieg Carlo Zeno's bei Chioggia glorreich geendet, Venedig 
aus der höchsten Gefahr befreit und zur unbestrittenen Seeherrschaft 
erhoben. Unaufhaltsam stieg nun die Macht der Lagunenstadt zu 
ihrem Gipfel empor. Schon 1386 wurde Korfu erobert; daran reihten 
sich Erwerbungen in Griechenland, namentlich die Einnahme von 
Korinth, Patras, Lepanto; und als Pietro Loredan bei Gallipoli die 
überlegene türkische Flotte vernichtete, gab es für die Herrschaft 
Venedigs auf lange Zeit keine Hemmung mehr. Um die Verbindungen 
mit der terra ferma und den Hinterländern zu sichern, folgten nun 
neue Eroberungen auf dem Festlande: seit 1404 wurden Vicenza, 
Feltre, Belluno, dann Verona und Padua, weiterhin ganz Friaul, Ber- 
gamo, Brescia, Cremona und Ravenna unterworfen. Schon 1423 um- 
fasste die Republik ein Gebiet von 2000 Quadratmeilen, und die Ein- 
wohnerzahl der Stadt belief sich auf 190,000 Köpfe. Die Häuser 
Venedigs hatten einen Schätzungswerth von sieben Millionen Ducaten 
und einen Miethertrag von einer halben Million. Der Gesammtumsatz 
des Handels belief sich auf zehn Millionen, die einen Jahresertrag von 
vier Millionen abwarfen; die Staatseinnahmen wurden auf eine Million 
jährlich veranschlagt. Die Handelsmacht war vertreten durch 3000 
Fahrzeuge, 300 grössere, 45 Kriegsgaleren, mit 19,000 Seeleuten und 
10,000 Schiffbauern. Als 1489 die damals blühende Insel Cypern 
erworben wurde, war der Gipfel der venezianischen Macht erreicht. 
Bald darauf erhielt sie durch die siegreich vordringenden Türken und 
mehr noch durch Entdeckung des Seewegs nach Ostindien (1498) den 
Todesstoss.
        

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