Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1269437
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Buch. 
Die Frührenaissance. 
senen Felde die Madonna, welche dem Kinde die Brust giebt. Neben 
ihr sitzen auf dem Thron zwei allerliebste musicirende Engel, von 
denen der zur Rechten, der sein Gesichtchen halb hinter der Laute 
versteckt, an Motive erinnert, die man bei Giov. Bellini und Montagna 
findet. Zu beiden Seiten in besondern Nischen die h. Orispinus und 
Ürsus, darüber die Halbüguren der h. Ferraldus und Crispinianus. 
Diese Einzelanordnung, sowie der blaue mit Goldteppichen dekorirte 
Grund zeugt noch von alterthümlicher Befangenheit. Die Gestalten 
sind etwas kurz, der Kopf der Madonna hat ein liebliches schmales 
Üval, ihre Hände sind etwas schwer und ungeschickt in Zeichnung 
und Haltung; die Farbenstimmung des durch Vveihrauch stark nach- 
gedunkelten Bildes ist von tiefer harmonischer Leuchtkraft. Die Pre- 
della umfasst fünf lebendig aufgefasste kleine Scenen aus der Passion. 
Von demselben Meister Endet man sodann Mehreres in der Galerie. 
Zunächst ein Triptychon (Nr. 42) mit der thronenden Madonna, die 
ihr Kind saugt, umgeben von zwei musicirenden und zwei anbetenden 
Engeln. Zur Linken kniet, von der h. Barbara empfohlen, Karl III. 
von Savoyen, ihm gegenüber steht der h. Michael, der im Begriff ist, 
Lucifer zu tödten. Man erkennt an der steifen, hölzernen Haltung 
des Erzengels und an der schwachen Zeichnung von Händen und 
F üssen die Befangenheit des Künstlers, der dafür indess durch zarte 
Innigkeit des Ausdruckes und den Schmelz des kraftvollen Kolorits 
entschädigt. Mit gewissen Einschränkungen könnte man ihn den Peru- 
gino dieser Schule nennen. Umbrische Weichheit ist sein eigentliches 
Merkmal. Die Predella hat frisch kolorirte und naiv erzählte kleine 
Darstellungen aus der Legende der h. Barbara. Ein andres Altarwerk 
ebendort unter Nr. 44 enthält die Verlobung der h. Katharina mit 
dem Christuskinde, welches von der Mutter trotz seiner ganz ver- 
schiedenen Bewegung genau in derselben Weise gehalten wird wie 
auf Nr. 42. Auch hier ist die Formgebung überaus schwach, das 
Nackte namentlich ohne alles Verständniss nur von ungefähr darge- 
stellt; erstaunlich unrichtig sind die Hände und Füsse des h. Petrus 
gezeichnet, welcher an der andern Seite der Madonna steht. Aber 
auch hier waltet liebenswürdige Zartheit der Empfindung und ein 
prächtiges, tiefleuchtendes, harmonisches Kolorit: dunkelblau mit grü- 
nem Futter der Mantel der Madonna, der Aermelbesatz mit schönen 
Goldornamenten gestickt; köstlich hellblau das Gewand der Katharina, 
ebenfalls mit Goldstickerei, ihr Mantel roth mit grünem Futter; Petri 
Mantel leuchtend roth, sein Rock gelb, das Alles gut zusammengestimmt.
        

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