Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1269423
Kapitel. 
VIII. 
lombardisch-piemontesischen 
Die 
Schulen. 
505 
gegossen, Ein mit dem Namen des Künstlers versehenes Altarwerk 
im StädePschen Institut zu Frankfurt enthält in der Mitte die thro- 
nende Madonna, zu beiden Seiten zwei Scenen aus dem Leben Joachims; 
in der Farbe nicht frei von Buntheit, aber bedeutende Gestalten von 
ergreifendem Ausdruck in plastisch durchgebildeten Gewänder-In 
Die übrigen Künstler dieser Gegenden überlassen sich weit mehr 
der weicheren Grefühlswärme, dem harmlos gemüthlichen Zuge, der 
in der lombardischen Kunst von jeher vorherrschte und dann, durch 
umbrische Einflüsse bestimmt, seinen anziehendsten Ausdruck in den 
Werken Bramantinds und Borgognonds fand. Verwandt mit dieser 
Richtung und gewiss nicht ohne Zusammenhang mit derselben zeigt 
sich zunächst ein Künstler, der sich Gandolfino nennt und 1493 ein 
mit seinem Namen „Gandulfxnus" bezeichnetes, aus zehn Theilen be- 
stehendes Altarwerk ausgeführt hat, das man jetzt in der Galerie zu 
Turin sieht. Im oberen Mittelfelde ist die Krönung der Jungfrau 
dargestellt, die in alterthümlicher Anordnung zwischen Christus und 
Gottvater knieet; darunter ihre Aufnahme in den Himmel. Hier ist, 
gegen Ausgang des Jahrhunderts, ein Künstler, der mit seiner Auf- 
fassung noch tief im Mittelalter steckt, so wenig Verständniss für den 
Bau des Körpers verräth sich in den kurzleibigen Gestalten mit den 
dicken, rundlichen Köpfen. Eben so kindlich ist die Landschaft 
behandelt, und auch das Kolorit mit den schattenlosen hellgrünen, 
hellrothen, weissröthlichen Gewändern beharrt noch bei der unkörper- 
liehen und stofflosen Malerei der gothischen Epoche. Einige Fort- 
schritte bekundet dagegen ein andres Bild derselben Sammlung, wel- 
ches die Madonna thronend mit zwei musicirenden Engeln darstellt. 
Es zeigt, wahrscheinlich unter dem Einfluss Borgognonds, einen An- 
lauf zu besserer Durchbildung der Form und zu vollerer Farben- 
wirkung, ist indess doch noch sehr befangen. 
Eine höhere Stufe nehmen einige Künstler von Vereelli ein, 
welche der später in Gaudenzio Ferrari und Bazzi sich so edel und 
reich entfaltenden dortigen Schule als Ausgangspunkt dienen. Defen- 
dente de Ferrari von Chivasso ist, wie es scheint, der ältere dieser 
Künstler, denen die Entwicklung der benachbarten Mailänder Schule 
unter Borgognone bestimmende Impulse gegeben hat. Im Dom zu 
Turin sieht man am zweiten Altare rechts vom Eingang ein Bild, das 
dort dem Albrecht Dürer zugeschrieben wird, aber unverkennbar die 
Hand Defendentds vcrräth. Es enthält auf reichem, goldgeschmücktem 
Renaissancethron, aber in einem mit gothischem Schweifbogen geschlos-
        

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