Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1269400
VIII. 
Kapitel. 
lombardisch-piemontesiscßen 
Die 
Schulen. 
503 
durch Mantegna der ganzen oberitalienischen Kunst gegebenen Im- 
pulsen. Doch geht der energische und tiefe Farbensinn des Meisters 
von Alba Weit über die den damaligen Mailandern eigene Auffassung 
hinaus und begegnet sich mehr mit der Richtung eines Mantegna und 
Crivelli. So finden wir ihn zuerst in jenem grossen Altarwerk der- 
Üertosa, in der Kapelle des h. Hugo, WO er die Madonna mit dem 
h. Hugo und Anselmo, darüber die Auferstehung Christi in einem 
ausdrucksvollen energischen Stil und mit leuchtender Färbung dar- 
stellte. Aus dem Jahr 11498 datirt sodann ein andres Hauptwerk des 
Künstlers in der Galerie zu Turin, bezeichnet mit dem, Namen 
„Macrinus de Alba". Es enthält die thronende Madonna mit vier 
Heiligen, von musicirenden Engeln umschwebt, welche in wunderlicher 
Weise die Wolkenschichten für. den Thron der Madonna halten, und 
von denen Einer auf einer Art Jagdhorn bläst. Der Aufbau der 
grossartigen Tonnengewölbhalle, unter welcher die Madonna thront, 
mit dem prächtigen Schmuck der goldenen Rosetten, erinnert an Man- 
tegna, die Scharfe der Zeichnung und Modellirung an die Paduaner, 
die Typen sind etwas hausbacken, die Heiligen ascetisch, der Kopf 
der Madonna nicht ohne Anmuth, die Gewänder haben im Wurf etwas, 
das an Meister wie Giovanni Santi gemahnt. Das Nackte ist mit 
Anstrengung, wenngleich nicht immer mit Erfolg, durchgebildet; die 
Landschaft zeigt phantastische Felsmassen; ungemein kräftig und tief 
ist die Farbe.  
Mehrere andere Tafeln in derselben Galerie lassen ähnliche 
künstlerische Eigenschaften erkennen. So ein Bild mit S. Augustinus 
und Ambrosius, würdevolle Gestalten von tüchtiger Zeichnung und 
tiefbraunem Fleischton, der mit dem leuchtend rothen Mantel des Am- 
brosius, dem dunkelblaugrünen Gewande und Goldbrokatpallium des 
Augustinus und dem blauen Himmel als Hintergrund sich zu kunst- 
voller und harmonischer Wirkung verbindet. Ferner ebenda zwei 
zusammengehörige Altar-Hügel, die eine mit den h. Paulus und Ludwig 
(Fig. 146) mit der Jahrzahl 1506 und dem vollständigen Namen des 
Künstlers „Macrinus de Alladio C. Alben." bezeichnet. Paulus in saft- 
grünem Gewand und rothem bauschigen Mantel, dessen Wurf an Figuren 
von Giovanni Santi erinnert, Ludwig in weissem Messgewand und blauem 
mit Lilien durchwirkten Mantel sammt grünem mit Goldornamenten 
geschmückten Besatz, von prächtiger, durch den Goldgrund noch 
gehobener Wirkung. Etwas geringer sind die Figuren der andern 
Tafel, Johannes der Täufer, S. Lorenz und S. Rosa, namentlich letztere
        

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