Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1269392
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Buch. 
Frührenaissance. 
mung ist noch völlig gothisch, und zeigt die Fialen und die mit Laub- 
"werk besetzten Spitzgiebel der italienischen Spätgothik; daneben aber 
kennt der Meister auch schon die Formen der Renaissance, wie man 
an dem Thron der Madonna und an mehreren architektonischen Hinter- 
gründen bemerkt. Auf dem Mittelfelde sieht man die Madonna thro- 
nend, auf ihrem Schoosse das Christuskind schlafend, welches sie mit 
dem Schleier zu verhüllen im Begriff ist; daneben auf gesonderten 
Feldern die h. Laurentius und Amelius, Albinus und Amicus. In 
diesen Gestalten verräth sich ein befangenes Lebensgefühl und Mangel 
an tieferer Naturerkenntniss; aber ähnlich der gleichzeitigen nordischen 
Kunst sucht der Maler durch prachtvolle Ausführung und prunkenden 
Brokat und Damast der Gewänder das Auge zu bestechen. 
Für die ältere Zeit sind nun überhaupt in diesen Grenzgebieten 
die Einiiüsse der nördlichen Länder massgebend gewesen. Im Museo 
civico zu Turin sieht man eine Anzahl werthvoller Üeberreste der 
Plastik und Malerei aus den Gegenden von Aosta, Elfenbeinwerke, 
Triptychen, Antependien, holzgeschnitzte Altäre mit Gold- und Farben- 
überzug, die in der That stark an deutsche und zum Theil an franzö- 
sische Werke anklingen. Die Gemälde des 15. Jahrhunderts sogar 
haben noch überwiegend mittelalterliches Gepräge und verrathen eine 
Lokalkunst, die weit hinter der Entwicklung Italiens zurückgeblieben 
ist. So zeigt sich auch in der Galerie zu Turin ein aus sechzehn 
Theilen bestehendes Triptychon auf Goldgrund, inschriftlich das Werk  
eines Priesters Giovanni (nPresbiter Johä Canaäsis") noch als ein 
durchaus in conventionell gothischer Kunstweise befangenes Werk, 
dessen mässig begabter Urheber mühsam nach kräftigerer Durchbildung 
der Formen ringt. Auf Künstler dieser Art mag Barnaba da Modena 
eingewirkt haben, von dem wir wissen, dass er längere Zeit in Pie- 
mont beschäftigt war. 
Solchen geringfügigen und schwankenden Bestrebungen setzte 
dann erst im Ausgang des 15. Jahrhunderts der mächtige Realismus 
der Paduaner ein Ziel, der selbst in diesen entlegenen Gebieten einen 
tüchtigen Vertreter fand. Dies ist Macrino d'Alba, wie er wahrschein- 
lich von seinem Geburtsort genannt wird, eigentlich de Alladio. Wir 
wissen nichts von seinen Lehrjahren, da aber sein frühestes bekanntes 
Werk 1496 für die Certosa von Pavia gearbeitet ist, so dürfen wir 
wohl annehmen, dass er in Mailand die Arbeiten eines Foppa kennen 
gelernt und vielleicht seine Unterweisung genossen habe. In dem 
Streben nach scharfer plastischer Ausprägung der Form folgt er den
        

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