Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1269385
Kapitel. 
VIII. 
Die 10mbardisch-piemontesischen 
Schulen. 
501 
benachbarte Vaterstadt Crema. Fortan vergisst er auf seinen Bildern 
nicht, sich als Bürger von Brescia zu bezeichnen. So auf dem grossen 
fast quadratischen Altarwerk in der zweiten Kapelle links im Dom, 
welches er 1519 für ein Honorar von 29 Dukaten ausgeführt hat. Man 
sieht den h. Sebastian, an den Pfeiler einer Halle gebunden, eine 
milde, fein bewegte Gestalt, die durchaus an venezianische Kunst, noch 
näher an Werke Moretto's erinnert. Neben ihm in auffallend heftiger 
Bewegung der h. Christoph mit dem ebenfalls lebhaft agirenden Christus- 
kind auf der Schulter; gegenüber der jugendliche S. Rochus in ele- 
gantem, phantastischem Zeitkostüm, von einem Hunde begleitet, der 
einen Laib Brod im Maule halt. Den Hintergrund bildet eine Land- 
schaft mit tief grünlichblauein Himmel. Das ganze Werk steht in 
den weichen Formen, dem fast schwärmerischen Ausdruck, besonders 
dem tiefen Farbenaccord  grünlichblauer Himmel, grünliche und 
dunkelviolette Gewänder  dem Moretto auffallend nahe, der damals 
freilich erst in den Anfängen stand und seinen eignen Stil noch nicht 
entwickelt hatte. Es scheint allerdings vielfach gelitten zu haben; 
immerhin aber beweist es, dass Civerchio den freieren Stil des 16. Jahr- 
hunderts, vermuthlich durch Berührung mit der venezianischen Kunst, 
sich angeeignet hat. Das letzte sichere Datum seines Lebens fällt in 
das Jahr 1539.  
Es ist nun von Interesse zu beobachten, wie verwandte Einflüsse 
sich noch weiter westwärts bis in die Schulen von Piemont fort- 
setzen, obwohl sie naturgemäss bei immer grösserer Entfernung vom 
Ausgangspunkte dieses Stiles an Kraft und Verständniss einbüssen. 
Wie es in so entlegenen Grenzgebieten nicht anders sein kann, bleibt 
auch hier in Piemont die Malerei bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts 
ohne selbständige Bedeutung. Man hat mehrfach Künstler aus Tos- 
cana und der Lombardei berufen, und von solchen wird zuerst die 
Kunstweise der neuen Zeit dort eingebürgert worden sein. So malte 
1458 ein Meister Paolo da Brescia, der sich „Paulus Brisiensis" nennt, 
ein fünftheiliges Altarbild für die Kirche S. Lorenzo in Mortara, wel- 
ches in dem Turiner Galeriewerk auf T. 142 dargestellt ist. Wir 
haben das Bild weder in der Galerie noch im Katalog entdecken 
können, vermögen also über die Farbe und die technische Ausführung 
nicht zu urtheilen; allein der offenbar treue und charakteristische Stich 
im genannten Galeriewerke deutet auf einen Künstler, welcher in der 
scharfen Bezeichnung der Formen den Paduanern verwandt ist und 
in den Charakteren an Crivelli erinnert. Die Einfassung und Umrah-
        

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