Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1269367
VIII. 
Kapitel. 
Schulen. 
lornbardisch-luiernontesischen 
Die 
499 
Fresken in S. Ambrogio, links neben dem Chor im nördlichen Seiten- 
schiif: der zwölfjährige Christus im Tempel lehrend, dann wieder bei 
seinen Eltern, beide Scenen etwas eng und ungeschickt zusammen- 
gebracht; gegenüber die thronende Madonna mit zwei Heiligen. Mit 
diesen Werken stimmen die beiden schönen Bilder im Museum zu 
Berlin, welche ebenfalls die thronende Maria darstellen. Das grössere, 
mit dem Namen des Künstlers bezeichnet (Nr. 52), ist frischer, rosiger 
in der Farbe, zart im Ausdruck, nicht ganz frei in der Bewegung, 
namentlich bei der Madonna, die wie zum Gruss ihre Rechte ausstreckt, 
während das Christuskind in herzigem Spiel die Geberde der Mutter 
nachahmt. Daneben S. Ambrosius in Prachtgewändern und Johannes 
der Täufer. Das kleinere Bild, die thronende Madonna mit dem Kinde, 
von zwei Engeln verehrt, hat Wachsartig bleiches Fleisch und ist von 
derselben süssen Holdseligkeit der Empfindung. Ein liebenswürdiges 
Bild verwandten Charakters findet sich in der Gal. Raczynski eben- 
dort. Wieder ist es die thronende Madonna, diesmal aber ohne Kind, 
 mit einem über Borgognone's sonstige Weise hinausgehenden, fast peru- 
ginesken Ausdruck innigsten Flehens, welchen man auch auf dem treff- 
lichen Altarbilde von 1508 in S. Spirito zu Bergamo antrilft. Es ist 
nach alterthümlicher Sitte ein aus acht Theilen bestehendes Werk, dessen 
Mitte die Himmelskönigin einnimmt, während S. Augustinus und der 
wie auf dem Berliner Bilde etwas steifbeinige Johannes der Täufer 
zu beiden Seiten stehen und die Apostel mit ziemlich befangenem 
Ausdruck der Verehrung sich anreihen. Darüber die Halbüguren von  
S. Hieronymus und Franziskus, im Bogenfeld endlich die Verkündigung 
und in der Mitte der segnende Gottvater. Es ist eins der schönsten 
Werke des Künstlers. Auch sonst muss Borgognone manches für 
Bergamo ausgeführt haben, denn mehrere Bilder seiner besten Art 
bewahrt die Sakristei von S. Bartolommeo sowie die städtische 
Galerie, namentlich eine hübsche kleine Madonna und eine zierliche 
Tafel mit der Darstellung, wie S. Ambrosius dem Kaiser Theodosius 
den Eintritt in den'Tempel verwehrt. Einige anziehende Bilder, 
darunter auch eine Madonna, sieht man beim Duca Scotti in Mailand, 
eine schöne h. Katharina im Pal. Poldi daselbst; vor allem aber sind 
aus seiner reifsten Zeit die herrlichen Decorationen in der Sakristei 
von S. M. della Passione "zu erwähnen: grau in grau auf goldgelbem 
Grund gemalte Ornamente in den Gewölbzwickeln, sodann in den 
Bogenfeldern dazwischen Brustbilder von Heiligen; der Spiegel des 
Gewölbes als gestirnter Himmel behandelt, das Ganze von grossem
        

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