Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1269335
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Buch. 
Frührenaissance. 
Die 
gnone, eigentlich da Fossano allgemein bekannt ist. In dem engen 
Bereich des Andachtsbildes hat er seine ausschliessliche Wirksamkeit, 
gewinnt aber hier, nicht unähnlich einem Perugino oder Francia, den 
Ausdruck einer innig-religiösen Empfindung, einer zarten lyrischen 
Stimmung in leise bewegten, halb träumerisch dastehenden Gestalten. 
Ein gewisser Rest von Befangenheit, den er niemals völlig überwindet, 
dient noch dazu, das specifisch kirchliche Gepräge mehr hervortreten 
zu lassen. In seinem Kolorit fällt die ungewöhnliche Zartheit der 
bleichen Fleischtöne auf, die sich indess mit einem feinen rosigen An- 
hauch verbindet und durch kräftige, tiefe Gewandfarben noch wirk- 
samer wird.) Milde und Sanftmuth sind der Inbegriff seiner Kunst, 
die zu den liebenswürdigsten Erscheinungen der ganzen Schule zählt. 
Üeber seine äusseren Lebensumstände sind wir nur spärlich 
unterrichtet. Gewisse Züge in seinen früheren Werken scheinen darauf 
zu deuten, dass er unter dem Einfluss F0ppa's und Zenale's sich ge- 
bildet hat. Dass er 1473 den Entwurf zur Facade der Certosa von 
Pavia gemacht habe, ist eine unverbürgte Ueberlieferung; mit mehr 
Wahrscheinlichkeit darf man ihm die Zeichnungen zu den prächtigen 
figürlichen Einlagen der Chorstühle der Certosa zuschreiben. So viel 
ist gewiss, dass er bis gegen 1494 eine Reihe von Jahren unausgesetzt 
für die Ausschmückilng dieses grossartigen Baues mit Altartafeln und 
Fresken beschäftigt gewesen ist. Fragt man, welche früheren Arbeiten 
ihm zu dieser ehrenvollen Berufung, verholfen haben, so bietet sich 
zunächst ein Altarbild in S. M. presso S. Celso, mit der Bezeich- 
nung: "Op. de Ambrosio de Fossano dicto Bergognonoß In heiter 
klarer Landschaft kniet die Madonna, das am Boden liegende Kind 
verehrend; daneben S. Rochus und der einen knieenden Stifter em- 
pfehlende Täufer Johannes. Die Composition sowie die ungewöhnlich 
tiefe, fast perugineske Färbung erinnern an umbrische Einflüsse , die 
wohl durch Bramante vermittelt sein mögen. Ein hübscher Zug ist, 
wie das Christuskind sich mit dem linken Arm aufstützt, um die 
rechte Hand zum Segnen frei zu bekommen. Noch früher erscheint 
indess eine grosse Altartafel in der Ambrosiana, welche die thro- 
nende Madonna, umgeben von acht Heiligen und einem knieenden 
Canonicus als Stifter, darstellt. Die reiche Anwendung architektonischer 
Formen und goldenen Schmuckes, mehr noch die mühsame Art, wie 
der Künstler in den männlichen Gestalten nach Charakter und Be- 
seelung ringt, während die weiblichen Köpfe eine etwas conventionelle 
Anmuth zeigen, geben dem Bilde etwas alterthümlich Gebundenes.
        

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