Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1269280
VIII. 
Kapitel. 
Schulen. 
lomhardisch-pfernontesischen 
491 
Madonna mit dem Kinde in der Ambrosiana, eine stark übel-malte 
Verkündigung im Pal. Borromco, und zwei Fresken in der Vorhalle 
von S. Ambrogio dürfen ebenfalls auf Zenale zurückgeführt werden. 
Letztere sind links und rechts vom Eingange grau in grau gemalt und 
erzählen in figurenreicher Darstellung die Taufe und die Priesterweihe 
des h. Augustinus durch Ambrosius. Es sind derbe, hart gezeißhngte 
Gestalten, aber die Porträtköpfe des Gian Galeazzo und Filippo Blaria 
Visconti, des Lodovico und Massimiliano Sforza trotz aller Herbheit 
doch nicht ohne Leben. Oben ziehen sich hübsche Friese, Genien mit 
Fruchtgewinden links, reichere architektonische Einfassung in braman- 
tesken Formen rechts, auf blauem Grunde darüber hin. Das Datum 
wird 1498 zu lesen sein. 
Für die Würdigung Buttinonefs bildet das kleine Bildchen im 
Palast der Isola bella den Ausgangspunkt, welches seinen Namen 
„Bernardinus Betinonus de Trivilio" trägt. Es ist wieder eine thro- 
nende Madonna mit dem Kinde, das sich zutraulich an die Schulter 
der Mutter schmiegt, daneben Johannes der Täufer und die heilige 
Justina sammt vier musizirenden Engeln. Crowe und Cavalcaselle 
scheinen das Bildchen etwas zu ungünstig zu beurtheilen. Die Mangel 
und Harten der Formbezeichnung sind gleich der prachtvollen Archi- 
tektur auf paduanische Einflüsse zurückzuführen; auch das ersichtliche, 
wenngleich nicht ganz gelungene Streben nach perspektivischer Ver- 
kürzung deutet ebendahin. Nicht minder die Pracht der Ausstattung 
und die miniaturartig scharfe Ausführung. Die Architektur des Thrones 
mit den goldenen Friesen, Kapitälen, Medaillons, den köstlichen Porphyr- 
säulen mit herabhangenden Perlenschnüren erinnert an die F ormen- 
auffassung Mantegnafs. Das Kolorit ist in einem tiefbräunlichen warmen 
Tone durchgeführt. Als ausgezeichneten Bildnissmaler lernt man den 
Künstler in einem wohl mit Recht ihm zugeschriebenen männlichen 
Porträt des Pal. Borromeo kennen, das durch die tiefe Kraft des 
Kolorits und die energische Auffassung einem Antonello da Messina 
nahe kommt. (Fig. 144.) 
Auf dieser Grundlage ist nun das Hauptwerk der beiden Meister 
im Dom S. Martino ihrer Vaterstadt Treviglio zu beurtheilen. Die 
Kirche war ursprünglich eine stattliche gewölbte Basilika romanischen 
Stils mit grossen quadratischen Kreuzgewölben im Mittelschiff und 
der doppelten Anzahl kleinerer in den Seitenschiffen. An das weit- 
ausladende Querhaus stösst ein Chor mit geräumigem Umgang nach 
nordischer Weise. Die ganze Struktur ist in der Spätrenaissancezeit
        

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