Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1269184
Kapitel. 
VII. 
Schule 
Die paduanische 
und 
ihre 
Ausläufer. 
481 
glänzende metallische Farbe sowohl auf paduanischen Einfluss, wie auf 
Anregungen Crivellfs hindeuten. So lernt man ihn auf einem grossen 
Altarwerk im Museum zu Berlin kennen, das aus S. Giovanni Battista, 
in Ferrara stammt. Auf einem hohen Thron unter reicher Renaissance- 
nische sitzt die Madonna, das auf ihrem Schooss schlafende Kind ver- 
ehrend. Drei Engel über ihr, von denen der mittlere die Laute spielt, 
sitzen auf der Lehne des Throns. Auf den Stufen stehen zur Rechten 
Apollonia, zur Linken Catharina, vorn Augustinus mit dem auf einer 
Glaskugel stehenden Adler und Hieronymus mit seinem in Bronze dar- 
gestellten Löwen. Aller Glanz kostbarer Stoffe, mit der Meisterschaft 
eines Niederländers wiedergegeben, ist zu höchster Pracht vereinigt. 
Der Thron ruht auf Krystallsäulen, die Nische ist mit vergoldeten 
Bronzereliefs und mit Mosaiken geschmückt, die sammt der fabelhaften 
Farbenpracht der Gewänder, in welchen Smaragdgrün und Scharlach, 
mit Gold schrafiirt, eine grosse Rolle spielen, fast blendend wirken. 
Grandios ist im Sinne Mantegna's die wuchtige Plastik der steifen, 
gespreizten, knöchernen Figuren, die aber an Macht ihres Gleichen 
suchen. Das Ganze wirkt in dem glänzenden Schmelz der Farben wie 
ein riesiges Email, durch die in scharfem Seitenlicht ausgeführte M0- 
dellirung noch erhöht. Den Hintergrund bildet eine hellgraue kühle 
Landschaft. 
Mit mehreren andren Künstlern, unter welchen Galasso, Zoppo, 
Cossa und Costa genannt werden, theilte Tura sich sodann in die grosse 
Arbeit der Ausschmückung des gewaltigen Saales im Pal. Schifanoia. 
Dieser Freskencyklus, unter Herzog Ercole zwischen 1471 und 1493 
ausgeführt und neuerdings unter der bedeckenden Tünche hervor- 
gezogen, ist leider nur zum Theil erhalten. Doch sieht man noch an 
zwei Wänden in drei Abtheilungen übereinander die Zeichen des Thier- 
kreises und die dazu gehörigen antiken Göttergestalten. Der untere 
Streifen enthält dann in Schilderungen der Thaten und Lebensverhält- 
nisse des Herzogs Borso die Beschäftigungen des Jahres in frischen 
naiven Zügen, mit Bestimmtheit gezeichnet und ungemein sorgfältig 
ausgeführt. Dass hier verschiedene Hände gewaltet haben, erkennt 
man aus dem wechselnden Charakter der einzelnen Theile. Manches 
deutet auf Einflüsse des Piero della Francesea, für Anderes sind die 
Vorbilder Mantegna's bestimmend gewesen, dessen mantuanische Fresken 
mit ihrer hölzernen Steifheit und dem naiven haarscharfen Realismus 
in der unschönen knappen Zeittraeht sich hier fortzusetzen scheinen. 
Man erkennt so recht, wie hoch auch in der blossen Wiedergabe der 
Lübke, Italien. Malerei. T. 31
        

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