Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1269142
Kapitel. 
VII. 
Schule 
paduanische 
Die 
Ausläufer. 
ihre 
und 
477 
Gestalten sind meist realistisch derb und oft plebejisch grobknoehig, 
in fast mantegnesker Schärfe des plastischen Stils entwickelt; aber er 
verbindet damit nach Art der Venezianer eine intensivere Kraft der 
Färbung, die freilich oft durch die schweren Schatten etwas zu stoff- 
lich wirkt. Zu seinen frühesten Werken gehört oEenbar eine das Kind 
verehrende Madonna mit der h. Monika und Magdalena in der Galerie 
zu Vicenza, blass und kühl im Kolorit, aber fein in den etwas schüch- 
ternen Motiven, das Christuskind von lieblichem Ausdruck, wenngleich 
hart in der Zeichnung des Nackten, Magdalena voll Anmuth mit rosigem 
Mantel, der sich von dem Grunde eines dunkelgrünen Vorhangs wirk- 
sam abhebt. Ein anderes, ebenfalls frühes und mit dem Namen des 
Künstlers bezeichnetes Madonnenbild sieht man in der Galerie zu 
Bergamo. 
Herrscht in diesen Bildern eine fast umbrische Milde, so gewinnt 
der Stil des Meisters grössere Bestimmtheit in einer andern Madonna 
der Galerie zu Vieenza, welche mit ihrem Kinde, von Johannes d. T. 
und dem nackten h. Onofrius umgeben, in einer Landschaft sitzt. Das 
Bild hat durch Üehermalung stark gelitten, aber die Figur des Onofrius 
ist von mächtigem Eindruck, streng in Zeichnung und Modellirung und 
in kraftvollem braunem Ton durchgeführt. Ein bedeutendes Bild aus 
seiner paduaner Zeit ist die thronende Madonna mit vier Heiligen in 
Sta. Maria in Vanzo zu Padua. Ünansehnlich sind die Reste seiner 
1493 entstandenen Malereien in S. Nazaro e Celso zu Verona, ob- 
Wohl sie immerhin durch ihre einfache Tüchtigkeit bei resoluter Derb- 
heit der Charaktere und schönen landschaftlichen Hintergründen an- 
ziehen; dagegen zeigt sich sein Stil in seiner reichsten Entwicklung 
bei dem grossartigen, aus S. Michele zu Vicenza stammenden Altar- 
bilde der Brera zu Mailand, vom Jahr 1499, bezeichnet mit dem 
Namen des Künstlers (Fig. 142). Die Madonna sitzt unter einem 
cassettirten Tonnengewölbe auf einem marmornen Renaissancethron, an 
dessen Stufen drei holde Engel musizirend sitzen. Zur Rechten des 
Thrones stehen die h. Sigismund und Ursula, zur Linken Andreas und 
Monica. In diesem Bilde vereinigen sich der plastische Stil Mantegna's, 
die grossartige Oompositionsweise Giovanni Bellini's und die tiefe kraft- 
volle Färbung Carpaecids zu feierlicher Grösse und machtvoller Wirkung. 
Von gleicher Trefflichkeit, nur noch tiefer im Ton sind zwei Tafeln 
in der Galerie Poldi daselbst mit den h. Paulus und Hieronymus. 
Aus dem Jahre 1500 besitzt das Museum zu Berlin eine thronende 
Madonna mit Heiligen, welche aus Lonigo stammt: ebenfalls grossartig
        

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