Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1269095
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Buch, 
Die Frührenaissance. 
bezeichnende Bild ist von erstaunlicher Weichheit des klaren Kolorits 
und verräth nichts von der sonstigen plastischen Härte früherer Arbeiten. 
Von höchster Vollendung und zartestem Schmelz, ist es zugleich erfüllt 
von einem starken Hauch romantischer Poesie. Das andre Bild stellt 
die Vertreibung der Laster durch die Weisheit dar. Links erscheint 
Minerva, welcher die Keuschheit in Gestalt der Diana und die Weis- 
heit mit einer brennenden Fackel voraufschreiten, um die Laster zu 
verjagen, welche bestürzt entweichen, während die in den Lüften umher- 
irrenden Tugenden der Gerechtigkeit, Stärke und Mässigung sich an- 
schicken, auf die Erde zurückzukehren. Durch dichte Baumreihen fällt 
der Blick in eine schöne Landschaft. Hier herrscht eine grosse Energie 
leidenschaftlichen Ausdrucks, welcher die sonst so leicht frostige Alle- 
gorie mit der überzeugenden Kraft des Lebens erfüllt. Dabei ist die 
Zeichnung wieder von höchster Feinheit und Schärfe, die sich aber 
mit einem goldig warmen, klaren Farbenton in Luft, Landschaft und 
Carnation verbindet. In diesen Arbeiten seines höheren Alters sieht 
man die frühere gar zu herbe Darstellungsweise zu edler Anmuth und 
Weichheit gemildert, ohne doch etwas von der plastischen Bestimmt- 
heit zu vermissen. Unter den Zeichnungen Mantegna's verdient die 
Judith, welche das Haupt des Holofernes in einen von ihrer Dienerin 
gehaltenen Sack gleiten lässt, eine besondre Erwähnung, wegen der 
Feinheit des plastischen Stils. Sie trägt das Datum 1491 und befindet 
sich in den Uffizien. 
Ausser seinen Schöpfungen im Gebiet der Malerei verdient Man- 
tegna noch besondere Beachtung wegen der hohen Bedeutung, welche 
er für die Ausbildung des italienischen Kupferstiches gewonnen hat. 
Ohne Zweifel angeregt durch die Schöpfungen des deutschen Grab- 
stichels, suchte er mit den nordischen Meistern zu wetteifern, um manche 
seiner künstlerischen Gedanken auf diesem Wege auszusprechen. Seine 
Technik ist freilich überwiegend einfach und entbehrt des malerischen 
Reizes, welchen die nordischen Stecher jener Zeit bereits in hohem 
Grade besitzen. Er schrafflrt wie in seinen Federzeichnungen in einer 
schrägen Strichlage, welche eine feinere Modellirung nicht zulässt; 
dagegen ist auch hier der Umriss von bewundernswerther Genauigkeit 
und Sicherheit. Man zählt von ihm einige dreissig Blätter, grössten- 
theils biblischen Inhalts; aber auch eine Reihe von antiken mytholo- 
gischen Scenen, besonders aus seiner späteren Zeit, ist vorhanden, 
welche fast mehr noch als jene Darstellungen auf die deutsche Kunst, 
namentlich auf Dürer, zurückgewirkt haben. Dahin gehören die Tri-
        

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