Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1264231
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Buch. 
Das Mittelalter. 
neben der Gestalt Christi auch die Apostel und andre Heilige ausge- 
prägt werden. Wichtig für die weitere Entwicklung der musivischen 
Kunst ist sodann das fünfte Jahrhundert. Vor Allem tritt nunmehr 
Ravenna in den Kreis der christlichen Kunstthätigkeit ein, nachdem 
diese Wichtige Hafenstadt wegen der Sicherheit ihrer Lage durch 
Honorius seit 403 zur kaiserlichen Residenz erhoben war. Die Stadt 
schmückte sich bald mit prächtigen Palästen und kirchlichen Bauten, 
von welchen noch eine grosse Anzahl sammt dem musivischen Schmuck 
erhalten ist. Das älteste kirchliche Denkmal ist das Baptisterium 
des Doms, in seiner Construktion und Dekoration eins der merk- 
würdigsten Werke vom Anfang des fünften Jahrhunderts. Der schön 
disponirte achtcckige Bau mit seinen Wandarkaden in zwei Geschossen 
und der schlank emporsteigenden Kuppel ist mit seinen Stuekverzie- 
rungen, Marmorinkrustationen und musivischen Gemälden ein vollendetes 
Prachtstück altchristlicher Dekoration. (Fig. 8.) Das untere Geschoss 
zeigt herrliche Goldranken auf dunkelblauem Grunde, ähnlich denen 
in der ivorhalle des Lateranbaptisteriums, wenn auch nicht mehr von 
gleicher Vollendung. Darüber im zweiten Geschoss weisse Relief- 
gestalten auf braunem Grunde mit Stuckranken, grösstentheils freilich 
in der späten Renaissancezeit restaurirt, aber in zwei Feldern noch in 
ursprünglicher Form. Am Gewölbe endlich sieht man in der Mitte 
in einem Kreisfelde die Taufe Christi, noch ganz in antiker Auffassung, 
so dass der Jordan als Flussgott persönlich erscheint und auch Christus 
noch jugendlich dargestellt ist. Rings um diesen Kreis bewegen sich, 
in zwei Zügen einander entgegenschreitend, von Petrus und Paulus 
geführt, die grossen Gestalten der Apostel in weissen Feierkleidern, 
Kronen in den Händen haltend. Sie sind durch goldne Blattranken 
getrennt und heben sich von dem blauen Grunde mit schöner Wirkung 
ab. Ünter ihnen begrenzt ein Fries von Bauwerken die Darstellung. 
Fast noch prächtiger in der Gesammtwirkung und nicht minder 
gediegen in der Ausführung sind die Mosaiken der kleinen Kirche 
S. Nazario e Celso, welche die Kaiserin Galla Placidia, die Schwester 
des Honorius, sich bei Lebzeiten um 440 erbauen liess. Als Tochter 
des oströmisehen Kaisers Theodosius vermählt mit Alarichs Nachfolger 
in Spanien, kam sie nach dem Tode ihres Gatten zu ihrem Bruder 
Honorius nach Ravenna zurück, wurde dem Feldherrn Constantius 
vermählt, aber bald darauf nach Constantinopel verbannt. Nach ihres 
Bruders Tode kehrte sie nach Ravenna zurück, wo sie die Vormund- 
schaft ihres Sohnes Valentinian HI. führte, und die Stadt mit Kircheri
        

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