Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1269066
VII. 
Kapitel. 
laaduanische 
Die 
Ausläufer. 
ihre 
und 
Schule 
471 
Cherubköpfen in Wolken umgeben, in herber Majestät thronen, in- 
dess das Kind auf ihrem Schoosse die Geberde des Segnens macht 
Während diese Erscheinung herabschwebt, stehen vier Heiligengegtaltgn 
zu beiden Seiten in dem energisch-plastischen Stil des Meisters, Zwischen 
ihnen, zu ihren Füssen, sieht man drei Engelköpfe in Begleitung einer 
Orgel Loblieder anstimmen. Dichtes Orangengebüsch, mit Früchten 
beladen, wölbt sich beiderseits über den Köpfen der Heiligen zu einer 
natürlichen Laube. Theilweise stark ausgeblasst in den Farben, eng- 
behrt das Bild der ursprünglichen Kraft und Einheit der Wirkung, 
aber es macht immer noch den stimmungsvollen Eindruck eines poetisch 
ergreifenden kirchlichen Hymnus. Noch eigenthümlicher in der Auf- 
fassung scheint ein Bild im Museum zu Kopenhagen zu sein, welches 
Christus als Schmerzensmann thronend darstellt, wie er die Wunden 
zeigt. Man sieht aus allen solchen Altarwerken, wie sehr die gesammte 
Kunst Oberitaliens trotz ihres Naturalismus und ihrer antiken Studien 
den kirchlichen Traditionen treu bleibt, während die florentinische Kunst 
längst zu neuen Auffassungen durchgedrungen war. 
Im Jahre 1488 wurde der Meister durch Papst Innocenz VIII. 
nach Rom berufen, um die neu erbaute päpstliche Kapelle im Vatikan 
mit Fresken zu schmücken. Mantegna hatte nach dem Tode seines 
fürstlichen Herrn (1478) bei dessen Sohne Federigo dieselbe Gunst 
und Förderung gefunden, und als dieser schon 1484 starb, war sein 
Nachfolger Francesco II. trotz seiner Jugend dem grossen Künstler 
nicht minder zugethan. Er beurlaubte ihn und verlieh ihm, um ihn 
auch äusserlich am römischen Hof in angesehener Stellung einzuführen, 
die Ritterwürde. Zwei volle Jahre arbeitete Mantegna dort, wie er 
selbst sagt, ohne Beihülfe, in dem Bestreben, sein Bestes zu thun und 
dem erlauchten Hause Gonzaga Ehre zu machen. Um so mehr haben 
wir die Zerstörung dieser Werke zu beklagen, die durch Pius VI. sammt 
der Kapelle bei Anlage des Braccio nuovo schrnählich vernichtet wurden, 
A18 Mantegna, 1490 nach Mantua zurückkehrte, gab er sich zunächst 
mit allem Eifer der Vollendung eines monumentalen Werkes hin, welches 
er 148,5 begonnen hatte und bis zum Ausgang des Jahres 1491 fertig 
brachte. Es sind die berühmten neun grossen Bilder vom Triumph- 
zuge Cäsars mit höchster Vollendung in Wasserfarben auf Leinwand 
gemalt, jetzt arg entstellt durch rohe Uebermalung im Schlosse Hampton- 
court aufbewahrt. Ursprünglich für einen herzoglichen Palast in 
Mantua ausgeführt, gelangten sie später in die Sammlung König Karls L, 
nach dessen Enthauptung sie für 1900 Pf. St. verkauft, später aber
        

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