Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1269042
Kapitel. 
VII. 
paduanischg 
Die 
Schule 
Ausläufer. 
ihre 
und 
469 
lich und in klarer warmer Färbung meisterhaft durchgeführt. In der- 
selben Sammlung ein köstlich behandeltes Triptychon (Nr. 1111), die 
Anbetung der Könige, die Beschneidung und die Auferstehung Christi 
darstellend. Auch eine kleine Madonna in der Galerie zu Bergamo 
ist von ähnlicher Milde bei vorzüglicher Durchführung in einer klaren, 
fast aquarellartigen Färbung. Denselben idyllischen Charakter betont 
die schöne Altartafel der Madonna mit der h. Magdalena und Johannes 
dem Täufer in der Nationalgalerie zu London, die als eins seiner 
mildesten und edelsten Werke bezeichnet werden muss (Fig. 140). 
Mit unvergleichlich feinem Formgefühl modellirt, in allen Theilen von 
der grösstcn Vollendung, in weich verschmolzener klarer Färbung, die 
selbst in den Schatten licht und durchsichtig ist, entzückt das Bild 
durch die jungfräuliche Anmuth der Madonna, durch den lieblichen 
Ausdruck des reizend bewegten Kindes, durch den von milder Weh- 
muth angehauchten Ernst des Täufers und die fast üppige, goldlockige 
Schönheit der Magdalena mit dem schwärmerischen Aufblick. 
Aus derselben späteren Zeit des Meisters besitzen Wir sodann zwei 
grosse Altarliildei- der Madonna, wo dieselbe in ganzer Feierlichkeit 
als Himmelskönigin erscheint. Das erste ist die allerdings sehr un- 
eigentlich sogenannte „Madonna della Vittoria", 1496 in Folge eines 
Gelübdes für Francesco Gonzaga gemalt, jetzt im Louvre. Der Mark- 
graf war ein Jahr vorher als Feldherr der italienischen Liga durch 
das kleine Heer König Karls VIII. geschlagen worden und hatte in 
der Bedriingniss jener Tage der Madonna eine Kirche gelobt, für welche 
Mantegna das Altarbild malen musste. Die Himmelskönigin sitzt mit 
ihrem Kinde auf prächtigem Marmorthron in einer mit Laubgewinden 
geschmückten Nische, umgeben von den h. Longinus und Andreas, 
Georg und Michael. Sie senkt die schützende Rechte gegen den Mark- 
grafen, der in Kriegsrüstung an den Stufen des Thrones kniet, wah- 
rend ihm gegenüber die h. Elisabeth sich fürbittend ebenfalls auf die 
Kniee niedergelassen hat. Grossartig aufgebaut, zeigt das Bild einen 
bedeutenden Fortschritt in der Composition über die früheren Altar- 
tafeln Mantegnafs, deren einzelne Gestalten statuarisch indifferent neben 
einander stehen. Ungemein streng in Zeichnung, Modellirung und 
malerischer Ausführung, reich und prächtig in der Ausstattung, macht 
das Werk jenen festlichen Eindruck kirchlicher Erhabenheit, in Welchem 
unter den Zeitgenossen keiner ihm gleichkommt. Die segnendc Ma- 
donna ist vornehm huldvoll, nur ihr Kopf ebenso wenig angenehm, 
wie der des Kindes. Unter den Heiligen hat St. Michael jugendlich
        

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