Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1269017
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Buch. 
Frührenaissance. 
Die 
Mantegnak, nicht unähnlich seinen früheren künstlerischen Werken, 
manche Härten und Wunderlichkeiten bot, die den Verkehr mit ihm 
nicht immer zu einem angenehmen machten. Von krankhafter Reiz- 
barkeit, argwöhnisch und händelsüchtig, lag er mit seiner ganzen Nach- 
barschaft in ewiger Fehde und fing oft aus armseligen Ursachen Pro- 
zesse an, wobei er dann nicht selten um der kleinlichsten Dinge willen 
seine fürstlichen Gönner mit Klagen und Beschwerdebriefen über- 
schüttete. Mit vornehmer Gelassenheit liessen diese den wunderlichen 
Mann solche Quälereien niemals entgelten und sahen dem grossen 
Künstler die kleinen menschlichen Gebrechen geduldig nach. Er lohnte 
ihnen dafür durch treue Dienste und durch Werke, welche ihnen mit 
dem Urheber die Unsterblichkeit verbürgen. 
Zu seinen bedeutendsten Arbeiten dieser Zeit gehören die bis 
1474 vollendeten Fresken im alten herzoglichen Palaste zu Mantua, 
von welchen bedeutende Ueberreste noch jetzt zum Theil wohlerhalten 
sind. In der sogenannten Camera degli Sposi, einem stattlichen Raume 
von etwa 26 Fuss im Quadrat, sieht man an den Wänden Scenen aus 
dem Privatleben der fürstlichen Familie. Gemalte Pilaster mit grauen 
Ranken auf Goldgrund theilen die Flächen. An der Wand rechts von 
der Thür wird geschildert, wie der Markgraf, von seinen Kindern um- 
geben, seinen Sohn, den Kardinal Francesco, empfängt. Den Hinter- 
grund bildet eine Landschaft mit einer idealen Ansicht des antiken 
Rom. Die mehr als lebensgrossen Figuren im knappen Zeitkostüm, 
das bei den jüngeren Leuten das Mi-parti zeigt, meistens in's Profll 
gestellt (nur die stattliche Gestalt des Kardinals sieht man von vorn), 
haben etwas unglaublich Nüchternes und Steifes, als wären sie aus 
Holz geschnitten; aber ein wunderbar bestimmtes, mit Meisterhand 
festgebanntes Leben, wenngleich ohne alle Anmuth, doch von fesselnder 
Wahrheit erfüllt sie. Der Markgraf mit seiner hölzernen Haltung, dem 
unschönen Profil, dem riesigen Ohr und dem kurzen Specknacken, ist 
ein Muster realistischer Hasslichkeit. Liebenswürdig naiv dagegen sind 
seine beiden kleineren Kinder. Das Bild links, zum Theil zerstört, 
zeigt den Auszug zur Jagd. Ein Diener hält das in der Vordersicht 
trefflich verkürzte Pferd, ein anderer eine Koppel Rüden. Hinter dem 
Pilaster setzt sich die Darstellung in das Mittelfeld fort, wo unsym- 
metrisch die Thür angebracht ist. Den Hintergrund bildet eine phan- 
tastische Gebirgslandschaft. Ueber der Thür halten Genien mit Schmetter- 
lingsflügeln eine Inschrifttafel mit den bezeichnenden Worten, dass 
dem erlauchten Fürsten Ludwig II. und seiner Gemahlin Barbara nsein
        

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