Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1268981
VII. 
Kapitel. 
Schule 
Die paduanische 
und 
Ausläufer. 
ihre 
463 
Perspektive ablegen, aber die Gesammtwirkung des Cyclus beeinträch- 
tigen. Zunächst malte er den h. Jacobus, wie er zum Richtplatz geführt 
wird und einen vor ihm sich niederwerfenden Blinden heilt. Auch hier 
sind die Typen so unschön wie möglich und die plastischen Härten auf 
die Spitze getrieben, doch ist eine erstaunliche dramatische Wucht des 
Ausdrucks in den Hauptiiguren und in den Zuschauern, von denen 
einige durch einen Kriegsknecht gewaltsam zurückgedrängt werden 
(auf unsrer Abbildung Fig. 138 fortgelassen). Kein anderes Werk 
der ganzen Zeit zeigt eine so strenge Klassicität, ein so völliges Ab- 
weisen der eigenen Zeitformen, namentlich fehlt die bei den Florentiuern 
übliche Hinzuliigung zeitgenössischer Gestalten. Es folgt sodann die 
Hinrichtung des Apostels. Jacobus liegt gefesselt unter dem Fallbeil, 
welches der gespreizt über ihm stehende Henker eben mit wuchtigem 
Hammerschlag zulösen im Begriff ist, während andere Kriegsknechte 
mit dem Ausdruck stumpfer Gleichgültigkeit zuschauen. Hier ist die 
dramatische Charakteristik von erschütternder Gewalt, und die Behand- 
lung hat etwas von der übergrossen plastischen Härte abgestreift. Den 
Beschluss machen auf der rechten Wand die stark zerstörten Scenen 
des Martyriums des h. Christoph und der Fortschaffung seines riesigen 
Leichnams. Das Momentane ist auch hier mit Energie geschildert, 
die Gestalten aber haben das antike Kostüm abgestreift und zeigen 
sich in der knappanliegenden Tracht und der Rüstung des Mittelalters. 
Der malerische Vortrag ist weicher und verschmolzener, und in der 
mannigfaltigen Anwendung architektonischer Gründe und klassischer 
Zierformen zeigt sich vollkommne Beherrschung der Perspektive und 
Architektur. 
Die Zeit der Ausführung dieser Werke ist uns nicht genau be- 
kannt; doch wissen wir aus älteren Nachrichten, dass Mantegna einer 
der frühreifsten Künstler war und schon siebzehnjährig mit selbstän- 
digen Werken hervortrat. Als Zwanzigjähriger malte er 1452 die 
h. Bernardin und Antonius im Bogenfelde des Hauptportals von S. An- 
tonio, wo wir zum ersten Mal seinen Namen mit dem Datum 1452 
antrelTen. Zwei Jahre später (1454) malte er für Sta. Giustina ein 
Altarwerk, welches sich jetzt unter Nr. 168 und 350 in der Brera zu 
Mailand befindet. Es enthält in alterthümlicher Weise auf Goldgrund 
in zwölf einzelnen Abtheilungen den h. Lucas schreibend, zu seinen 
Seiten die h. Benediet, Prosdoeimus, Justina und Scholastica, darüber 
vier andere Heilige und in der Mitte eine Pieta, scharf und herb, aber 
grossartig und von erstaunlicher Kraft und Lebenswahrheit. Eine andre
        

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