Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1268903
VII. 
Kapitel. 
paduanische 
Die 
und ihre Auslähfer. 
Schule 
457 
Bilde der Madonna im Pal. Manfrin zu Venedig „Zoppo di Squarcione" 
nennt. Später ging er nach Bologna und übertrug dorthin den scharfen 
plastischen Stil der Paduaner. Auf einer grossen Altartafel des Mu- 
seums zu Berlin vom Jahr 1471, bezeichnet DMarco Zoppo da Bo- 
lognia", sieht man die Madonna auf einem marmornen Renaissance- 
thron, umgeben von vier Heiligen. Die eckigen Gestalten sind mit 
einer hausbackenen Nüchternheit dargestellt, Hände und Füsse bäurisch 
plump, die Formen durchweg von metallner Schärfe, die Gewänder 
wie nass an den Leib geklebt, dabei auch die Färbung kühl, reizlos 
und trocken, und doch das Ganze nicht ohne den Eindruck einer ge- 
wissen herben Grösse. Aehnlicher Art ist eine aus vielen Theilen be- 
stehende Altartafel der Madonna mit Heiligen im Collegio de' Spagnuoli 
zu Bologna, während ein Bild der h. Apollonia in S. Giuseppe da- 
selbst sich zu grösserer Lebensfülle erhebt. 
Viel unbedeutender ist der Dalmatiner Gregor-ab Schiavone, den 
man unter der Bezeichnung "Opus Sclavoni Dalmatici Squarcioni" auf 
einem Madonnenbilde des Museums zu Berlin kennen lernt. Auch 
hier ist der Eindruck nicht sehr erfreulich, die Modellirung Wiederum 
gar zu herb und scharf, die Haltung steif, der Kopf der Madonna 
indess nicht ohne eine gewisse Vornehmheit, aber doch ausdruckslos, 
das Kind hässlich, die Farbe aber von einem gewissen Schmelz bei 
kräftig tiefen Tönen. Bedeutender ist das Altarbild einer thronenden 
Madonna mit vier Heiligen in der Nationalgalerie zu London, auf 
welchem der Künstler sich ausdrücklich als Schüler Squarcionds be- 
zeichnet. In der Lünette sieht man den todten Christus, in der Pre- 
della vier Drustbilder von Heiligen. Hier verbindet sich mit einer 
merkwürdigen Kraft der Modellirung ein warmes" Kolorit auf goldnem 
Grunde, welches auf den Einiiuss der Venezianer, wahrscheinlich des 
Jacopo Bellini deutet. Der Künstler hat ausserdem den nicht unge- 
schickten Versuch gemacht, einen tiefen Augenpunkt, offenbar im Wett- 
eifer mit Mantegna, anzunehmen und die Köpfe demgemäss in starker 
Verkürzung zu zeichnen.  Den Einiiuss der Paduaner Schule findet 
man sodann bei Bartolommeo Bonascia, von welchem die Galerie zu 
Modena ein bedeutendes Bild der Pietä. mit dem Namen des Meisters 
und der Jahreszahl 1485 besitzt, dessen grossartige Typen und streng 
plastische Behandlung an Mantegna erinnern, während das warme 
Kolorit auf den Einfluss Bellinfs deutet. Ferner gehören in diese Schule 
die Brüder Lorenzo und Cristoforo Oanozzi, der erstere 1425, der an- 
dere etwas später in Lendinara als Söhne eines Tischlers geboren.
        

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