Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1268881
Siebentes 
Kapitel. 
Die 
paduanische 
Schule 
und 
ihre 
Ausläufer. 
Was für Mittelitalien Florenz, das wurde für Oberitalien Padua: 
Vorort und Führer in Neugestaltung der Kunst. Doch merkt man 
sogleich, dass die Malerei hier nicht auf den Anschauungen des mannich- 
fach bewegten Lebens eines mächtigen politischen Centrums mit frei- 
heitlicher Verfassung beruhte, sondern mehr von den ausschliesslich 
gelehrten Tendenzen einer Gelehrtenrepublik getragen wurde. Die 
Stadt hatte nach schweren Erschütterungen in den Kämpfen verschie- 
dener Gewaltherrscher sich endlich 1405 der Üebermacht Venedigs 
ergeben. Vergebens suchte der letzte Herrscher, Francesco Carrara, 
Schutz beim Dogen; mit der in der venezianischen Staatskunst her- 
kömmlichen Grausamkeit wurde er sammt seinen beiden Söhnen in 
einen Käfig gesetzt und dann alle drei erdrosselt. Padua wurde fortan 
venezianische Provinzialstadt; was ihm aber eine selbständige Be- 
deutung verlieh, war das gelehrte Leben der Universität. Sie hatte 
zuerst sämmtliche Wissenschaften umfasst, namentlich auch die Natm- 
forschung gepflegt, wie denn der erste botanische Garten dort angelegt 
ward. Schon Vergerio hatte dann, noch unter der Herrschaft der Carrara, 
den Humanismus dorthin verpfianzt, der in der Geburtsstadt des Livius 
mit besonderem Nachdruck gepflegt ward. Auch das künstlerische 
Leben war schon. im Mittelalter nicht unbedeutend; aber es waren 
meist auswärtige Meister, wie Giotto, Altichiero, Avanzo, welche fiir 
die wichtigsten Unternehmungen herbeigerufen wurden. Eine eigene 
Schule hatte sich nicht zu bilden vermocht, und ein halbes Jahrhundert 
lang, seit den Arbeiten der letzten Giottisten, ist von keiner erheblichen 
Kunstleistung mehr die Rede. 
Der Beginn einer neuen Entwicklung sollte sich hier, charakte- 
ristisch fiir die Üniversitätsstadt, nicht an eine grosse schöpferische
        

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