Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1268866
Kapitel. 
Die 
VOH 
Schule 
Umbrien. 
453 
Brustbild in der StädePschen Sammlung zu 
so übel zugerichtet, dass man den Meister 
dagegen ist 
zu erkennen 
Frankfurt 
kaum noch 
vermag. 
F rancia starb 1518; nicht wie Vasari berichtet, aus Erschütterung 
über den Eindruck der h. Üäcilia RafaePs, an welcher er die Nichtig- 
keit seiner Kunst erkannt hatte, denn er überlebte das Ereigniss der 
Ankunft dieses herrlichen Bildes, über das er sicherlich aus voller 
neidloser Seele sich gefreut hat, um einige Jahre. 
Von seinen zahlreichen Schülern nennen wir zunächst seinen 
älteren Sohn Giacoqzio (i- 1557), der die Richtung des Vaters ohne 
selbständige Kraft mit ungleich schwächeren Mitteln fortsetzte. Dies 
erkennt man an seinen Fresken in S. Cecilia, der Taufe Valerians 
und dem lllartyrium der Heiligen. Recht ansprechend sind manche seiner 
Altarbilder; Mehreres in der Pinakothek zu Bologna; gediegen und 
tüchtig eine thronende Madonna mit dem Christkind und dem kleinen 
Johannes, von vier Heiligen verehrt, in der Brera zu Mailand; ein 
andres grosses Altarbild ebendort, vom Jahr 1544 und mit dem Namen 
„Jacobus Francia" bezeichnet, ist ein Hauptwerk des Künstlers, zwar 
etwas steif und nüchtern, aber von grosser Kraft der Färbung. Ein 
originelles Bild, das den Triumph der Keuschheit darstellt, besitzt das 
Museum zu Berlin. Ebendort eine grosse Tafel der Madonna, die 
mit ihrem Kinde und dem kleinen Johannes spazieren geht, etwas kühl, 
hart und steif in Bewegung und Farbe. Mehrmals hat Giacomo ge- 
meinschaftlich mit seinem jüngeren Bruder Giulio (geb. 1488) gearbeitet 
und dies Verhältniss dann durch die Bezeichnung „J. J. Francia" aus- 
gedrückt. So im Museum zu Berlin ein grosses Bild der Verklärung 
Maria vom Jahr 1525, die oberen Theile wärmer im Ton, die unteren 
von schärferer und härterer Behandlung, so dass man die beiden Hände 
deutlich unterscheidet. Aehnlich in S. Giov. Evang. zu Parma eine 
Geburt Christi vom Jahr 1518 und ebendort ein andres Altarbild aus 
demselben Jahr; ferner eine Madonna in der Pinakothek zu Bologna. 
In etwas schwächlicher und äusserlicher Weise eignete sich auch 
Timoteo Viti oder della Vite den Stil Francia's an. In Ferrara 1467 
geboren, kam er als Goldschmied zu diesem und wurde von ihm in 
der Malerei unterwiesen. Sodann liess er sich in Ürbino nieder, wo 
er fünfzehn Jahre lang thätig war, bis er nach Rom ging und dort 
eine Zeit lang als Gehülfe RafaePs arbeitete. Nach dem Tode des- 
selben (1520) kehrte er nach Ürbino zurück, wo er in hohem An- 
sehen bis an sein Ende 1523 lebte. Seine Bilder haben bei grosser,
        

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