Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1268845
Kapitel. 
Schule von Umbrien. 
Die 
451 
geschmückt hatte. Nach Vertreibung der Familie (1507) gingen sie 
bei der Zerstörung des Palastes zu Grunde. 
Aus derselben Zeit datiren die Beziehungen zu Rafael, wahr- 
scheinlich vermittelt durch Francia's Schüler Timoteo della Vite, der 
ein Landsmann und Altersgenosse des grossen Urbinaten war. Wie 
hoch Rafael die edlen Kunstwerke des liebenswürdigen Meisters schätzte, 
dessen Seelenreinheit der seinigen so innig verwandt war, hat er in 
einem Briefe vom 5. September 1508 selbst ausgesprochen. Er dankt 
ihm darin für das übersandte Selbstporträt, entschuldigt sich, dass er 
das seinige versprochener Massen noch nicht habe fertigen können, 
schickt ihm eine Zeichnung der Geburt Christi und bittet, ihm dafür 
Franciafs Composition der Judith zu senden. Indem er ihn sodann an 
zwei für vornehme römische Gönner bestimmte Madonnenbilder mahnt, 
fügt er hinzu, er freue sich auf dieselben und werde sie gewiss wie 
die übrigen Werke Francia's bewundern, da er von keinem Künstler 
schönere und frömmere Bilder gesehen („n0n vedendone da nissun' 
altro piü belle e piü divote e ben fatte"). Von Francia dagegen kennen 
wir ein Sonett an Rafael, in Welchem er diesen mit dem Ausdruck 
herzlicher Bewunderung verherrlicht und ihn den Maler aller Maler 
nennt („che tu solo il pictor sei de' pictori"). 
Diese Berührung spricht sich auch in den Werken Franciafs durch 
eine Vervollkommnung der gesammten Darstellungsweise aus, welche 
seinen Meisterschöpfungen den Stempel edelster Anmuth und reinster 
Schönheit aufprägt. Obwohl er durch die Vertreibung der Bentivogli 
seine eifrigsten Gönner verlor, war doch bei seinem immer weiter ge- 
drungenen Ruhme kein Mangel an Aufträgen. Zu den schönsten Ar- 
beiten dieser späteren Zeit des Meisters gehört die Taufe Christi im 
Museum zu Dresden, mit dem Namen und der Jahrzahl 1509 be- 
zeichnet (Fig. 136). Das fein Abgewogene in den beiden einander 
gegenüberstehenden Gestalten, die milde Demuth in der Haltung Christi, 
der würdevolle Ernst in Kopf und Geberde des Täufers, die köstliche 
Anmuth der aufwartenden Engel, das Alles in einer Landschaft von 
idyllischem Zauber, verleiht diesem Werke trotz einiger Herstellungen, 
die es erfahren hat, hohen Werth. Trefflich ist in derselben Samm- 
lung das kleine Predellenbild der Anbetung der Könige, den Jugend- 
werken RafaeYs in Geist und Form innig verwandt. Ebendort auch 
noch eine kleine Tafel der Madonna mit dem Kinde, eins jener zahl- 
reichen Werke jener Zeit, in welcher das einfach Idyllische dieser 
schönsten Farnilienscene ohne kirchliche Beziehung zur rein mensch-
        

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