Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1268803
Kapitel. 
V01] 
Schule 
Die 
Umbrien. 
447 
Anbetung der Könige, sowie eine thronende Madonna mit Heiligen 
vom Jahre 1512, mit dem Namen des Künstlers, in S. Francesco zu 
Matelica Zeugniss ablegt. Zu fast rafaelischer Anmuth erhebt er 
sich in einem h. Sebastian in der Galerie zu Bergamo, Welchen man 
mit Unrecht dem Rafael beilegt. Die köstliche Reinheit des jugend- 
lichen Kopfes erinnert allerdings an seinen grossen Mitschüler. Der 
Heilige ist in einer bei den Umbriern und Sienesen beliebten Weise 
nicht nackt, sondern im Diakonengewand dargestellt, das mit seinen 
Goldstickereien der dieser Schule eignen Vorliebe für zarte Detail- 
arbeit entspricht.  Zu den geringeren Künstlern derselben Gruppe 
gehört endlich Tiberio d'Assz'sz' ; etwas tüchtiger erscheint Gewinn da 
Pistoja, von dem man namentlich in Citta di Castello und Borgo 
S. Sepolcro Arbeiten antritft. 
Die weiteren Ausläufer dieser Schule zu verfolgen, dürfen wir 
uns erlassen. Dagegen ist hier der Ort, eines bedeutenden Werkes 
zu gedenken, welches bald diesem, bald jenem Künstler, ja sogar 
Rafael selbst zugeschrieben worden ist, ohne dass bis jetzt eine allge- 
mein gültige Ansicht über den Urheber sich herausgebildet hätte: es 
ist das grosse Fresko eines Abendmahls im Refektorium von S. Onofrio 
zu Florenz, welches inmitten der lebensvollen Eindrücke florentini- 
scher Kunst als ein reiner und schöner Klang umbrischer Gefühls- 
innigkeit anziehend berührt. Der Künstler hat in der Auffassung des 
Themas sich an Ghirlandajo angeschlossen, ohne nach neuen Bezügen 
oder nach dramatischem Inhalt zu streben. Er bleibt vielmehr an 
Kraft der Charakteristik hinter jenem zurück, durchhaucht aber die 
Gestalten Christi und der Apostel mit einem zarteren Empfindungs- 
leben, das jedoch zu sehr Gemeingut der Schule ist, um mit Sicherheit 
auf eine bestimmte Hand hinzudeuten. Das Urtheil wird noch er- 
schwert durch den Umstand, dass das Werk offenbar eine Ueber- 
arbeitung erlitten hat.  
In diese Künstlergruppe gehört nun auch ein ausgezeichneter 
Meister von Bologna, der nicht bloss durch aussere Berührung, sondern 
mehr noch durch innere Uebereinstimmung zu einer der umbrischen 
verwandten Auffassung geführt ward: Francesco Raibolini, genannt 
Francia. Im Jahre 1450 zu Bologna geboren, gehört er zu den zahl- 
reichen Künstlern der Zeit, welche ursprünglich als Goldschmiede 
thätig waren, dann aber zur Malerei übergingen und in diese Kunst 
die ganze Sorgsamkeit und Feinheit ihres früheren Handwerks über- 
trugen. Von seiner angesehenen Lebensstellung zeugt der Umstand,
        

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