Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1268746
Kapitel. 
von Umbrien. 
Schule 
Die 
441 
Bald nach Vollendung dieser Werke wurde der Künstler durch 
den Neffen Pius II. nach Siena berufen, um die von diesem am nörd- 
lichen Seitensehiff des Doms angebaute Bibliothek mit Gemälden zu 
schmücken. Der Raum ist jetzt noch mit seinen edlen Marmor-werken, 
den geschnitzten Arbeiten der Vertäfelung und den in unberührter 
Farbenpracht strahlenden Gemälden Pinturicchids von einer dekorativen 
Pracht, wie sie selbst in Italien selten gefunden wird. Nachdem der 
Contrakt 1502 vollzogen war, welcher QÜÜ Dukaten zum Einkauf von 
Gold und Farben, 100 Dukaten für den Umzug und zur Besoldung 
von Gehülfen, ÖO Dukaten nach Vollendung jedes Hauptbildes und 
den Rest nach Fertigstellung des Ganzen verspricht, ausserdem dem 
Künstler ein Haus zur Wohnung und das Nöthige an Lebensunterhalt 
anweist, siedelte Pinturicchio mit seiner Familie und einer Anzahl 
tüchtiger Gehülfen aus Peruginds Vverlastatt nach Siena über. Auch 
der junge Rafael soll unter diesen gewesen sein und dem älteren Meister 
bei Anfertigung der Entwürfe beigestanden haben. Die prachtvolle 
Dekoration des Gewölbes war noch vor dem Herbst 1503 vollendet, 
sodann nach einiger Unterbrechung wurde der umfangreiche Wand- 
schmuck gegen Ende des Jahres 1507 fertig. 
Die Libreria ist ein hoher grosser Saal von länglichem Recht- 
eck, mit Spiegelgewölbe und Stichkappen bedeckt, durch zwei lange 
Fenster an der Nordseite reichlich erhellt. An jeder Langseite sind 
vier, an der den Fenstern gegenüber liegenden Eingangswand zwei 
grosse Bilder mit Scenen aus dem Leben Pius II. Die architek- 
tonischen Einfassungen sind als Pfeiler mit Bogenstellungen in perspek- 
tivischer Anordnung gemalt, die Vorderseite der Pfeiler mit reizenden 
Arabesken, der Mittelpilaster blau auf Goldgrund, die Seitenpilaster 
weiss auf blauem Grund. Die Decke ist in trcfflieher Eintheilung mit 
mythologischen Darstellungen auf blauem Grund, in den Stichkappen 
auf Goldgrund mit reicher Anwendung von Stuck, die Wirkung des 
Ganzen unvergleichlich heiter und prächtig. Die zehn grossen Wand- 
bilder schildern in iigurcnrcicher Darstellung mit glänzenden architek- 
tonischen oder landschaftlichen Gründen die Hauptscenen aus dem 
Leben des Aeneas Sylvius. 1. Er reist nach Basel zum Concil, Wäh- 
rend am Himmel ein Sturm heraufzieht; eine der lebendigsten Scenen. 
(Fig. 133.) 2. Er kommt als Gesandter zum König von Schottland, 
der ihn in offner Palasthalle thronend empfängt; ein feierliches Cere- 
monienbild. 3. Er wird auf dem Reichstag zu Frankfurt als Dichter 
mit dem Lorbeer gekrönt. Hier bildet eine prachtvolle Kirchenfaeade,
        

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