Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1268738
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Buch. 
Frührenaissance. 
Die 
von Orvieto 1492 entstandenen Werken sind nur geringe Spuren auf 
uns gekommen. Dagegen sind die ausgedehnten Fresken, mit Welchen 
er im Auftrage Alexanders VI. seit 1492 eine Reihe von Zimmern im 
Vatikan, das sogenannte Apartamento Borgia geschmückt hat, in 
fünf dieser stattlichen, jetzt zur vatikanischen Bibliothek gehörenden 
Räume noch vollständig erhalten. In dem ersten Saale sind es Scenen 
aus dem Leben Christi und der Madonna, im zweiten verschiedene 
Heiligenlegenden, im dritten die Figuren der sieben freien Künste mit 
bezüglichen historischen Darstellungen, im vierten Brustbilder von 
Propheten und Sibyllen sammt Darstellungen des Thierkreises (diese 
vielleicht nicht von Pinturicchio), im letzten Raume endlich Figuren 
der Planeten. Dies Alles ist wieder von einer solchen Pracht und 
Harmonie und von so glänzender dekorativer Wirkung, dass man sehr 
wohl begreift, wie Pinturicchio für solche Aufträge stets gesucht war. 
Seine Werke sind die ersten Schöpfungen, in denen der Einfluss der 
antiken Dekorationsweise Wieder zur vollen Herrschaft gelangt.  
Noch edler vielleicht sind seine Fresken in der Cappella Bufalini, der 
ersten Seitenkapelle rechts in Araceli. Er hat hier das Leben des 
h. Bernhardin in seiner etwas befangenen Weise dargestellt und durch 
reichliche Beigabe von Figuren im Zeitcostüm, durch prächtige archi- 
tektonische Gründe, durch ein frisches Kolorit einen freundlichen Ein- 
druck hervorgebracht. Ob die Fresken in der Apsis von Sta. Croce 
in Gerusalemme ebenfalls von ihm herrühren, ist bei der starken 
Üebermalung kaum zu entscheiden. 
Ungleich wichtiger sind die 1501 vollendeten Fresken in einer 
Kapelle von Sta. Maria maggiore zu Spello. Er stellt hier an den drei 
Wänden die Verkündigung, die Geburt Christi und den zwölfjährigen 
Christus im Tempel dar, dazu am Gewölbe vier Sibyllen. Diese Werke 
gehören zu seinen schönsten Arbeiten. Zwar ist er im Maassstab oft 
schwankend und weiss die perspektivische Grösse der Figuren nicht 
sicher zu handhaben, aber die Anordnung ist klar und angemessen, die 
Färbung zart, etwas kühler als bei Perugino, die Einzelheiten, nament- 
lich in Händen und Füssen mit Feinheit durchgebildet, die Köpfe edel, 
ohne die tiefere Ekstase Peruginds, doch von herzlicher Innigkeit. Auch 
hier waltet wieder im architektonischen Beiwerk eine starke Vorliebe 
für übertriebenen Schmuck. In gerechtem Selbstgefühl hat der Künstler 
sein Brustbild mit der Bezeichnung "Bernardinus pictoricius Perusinus" 
hinzugefügt. Das blasse, etwas magere Gesicht deutet auf körperliche 
Leiden, die denn auch sonst von ihm bezeugt sind.
        

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