Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1264196
Q8 
Buch. 
Mittelalter. 
Das 
stantinischen Zeit beginnen, sich ein stetiges Sinken des künstlerischen 
Vermögens, des Wollens sowie des Könnens verrath, so ist ihnen allen 
doch eine Feierlichkeit der Stimmung, eine Grösse und Macht der 
Totalwirkung eigen, die schwerlich von einer andern Technik erreicht 
worden wäre. 
Wohl ist auch hier die Antike der Ausgangspunkt; ja die frühesten 
Werke stehen noch direkt unter dem Einfluss klassischer Dekoration 
und zeigen nach Art der ältesten Katakombenbilder ein Ueberwiegen 
des symbolischen Elements. Auch wo dann die Gestalten zu histo- 
rischer Fülle und Bedeutsamkeit ausgeprägt werden, hüllen sie sich 
immer noch in das antike Feierkleid der Toga, lassen im 'Wurf der 
Gewänder, in Gebärden und Stellungen überwiegend die plastischen 
Motive der Antike erkennen. Aber nicht vergeblich hatte die christ- 
liche Malerei in den bescheidenen Wandbildern der Katakomben ihre 
Schule gemacht. Eine Reihe von historischen Typen war gewonnen, 
eine Summe von Darstellungen rein christlichen Inhalts mit neuen 
Motiven, vor Allem mit einer speeiiisch christlichen Ausdrucksweise 
hatte sich gestaltet, und mit diesem zu dem antiken Kapitale neu- 
erworbenen Gute tritt die altchristliehe Malerei nunmehr in die zweite 
Epoche ihrer Entwicklung. 
Vor Allem gelangt sie jetzt bei den ungleich grösseren Aufgaben 
zu einer Erweiterung ihres architektonischen Gefühls, das sich zu 
grossartiger Raumsymbolik entfaltet. Den Hauptplatz, welcher die 
ganze Längenperspektive der Basilika beherrscht und dem Eintretenden 
sofort dominirend in die Augen springt, nimmt in der Regel die kol0s- 
sale Gestalt des thronenden oder lehrenden Erlösers ein. Ihn begleiten 
zu beiden Seiten die Apostelfürsten oder andere Heilige. Bisweilen 
nimmt die Madonna die mittlere Stelle ein, oder wie in St. Agnese 
die Patronin der Kirche; alle diese Gestalten in feierlicher Haltung, 
von vorn gesehen, manchmal durch Palmbaume getrennt, so dass ein 
streng architektonischer Eindruck vorherrscht. Den unteren Abschluss 
der Darstellung bildet oft ein Fries, der das Lamm zwischen zwölf 
andern Lämmern als Symbol ftir Christus und seine Jünger enthält. 
An der Wand des Triumphbogens sieht man meist in der Mitte ein 
kolossales Brustbild des Erlösers, umgeben von den Symbolen der 
Evangelisten, verehrt von den vierundzwanzig Aeltesten der Apoka- 
lypse. Alle diese Gestalten sind meist in das weisse Feierkleid, die 
antike Toga, gehüllt, und auf dunkelblauen Grund, oder auch auf 
Goldgrund gesetzt. Die ganze Darstellung abstrahirt von der Wirk-
        

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