Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1268646
Kapitel. 
Die 
Urnbrien. 
VOII 
Schule 
433 
London, der Verklärung Christi in der Galerie zu Perugia Nr. 2 u. A. 
bleibt er noch dem Temperaverfahren treu und erhebt die umbrische 
Gefühlsinnigkeit oft zu edler Schönheit. In den Zeiten seiner Horen- 
tiner Studien wendet er sich zur Oelmalerei, die er zu hoher Vollen- 
dung ausbildet, indem er zugleich mit der Wärme der Empfindung 
ilorentinische Lebensfülle verbindet. Das vollendetste Werk dieser 
Entwicklungsstufe ist die grosse Pietät, welche aus Sta. Chiara in die 
Galerie Pitti gelangt ist: an rhythmischer Geschlossenheit der 
Composition, Adel des mannigfach abgestuften Ausdrucks, harmonischer 
Kraft der Färbung eins der edelsten Werke des Jahrhunderts. Es 
trägt den Namen des Künstlers und die Jahrzahl 1495. Von ähnlicher 
Tiefe des Ausdrucks ist die Pieta, welche aus dem Kloster della Calza 
in die Sammlung der Akademie gelangt ist. Ein Jahrvorher malte 
er für S. Agostino in Cremona eine thronende Madonna mit Heiligen, 
die eine ähnliche Vollendung erkennen lässt. Von 1493 datirt eine 
thronende Madonna mit Heiligen im Belvedere zu Wien, in der Farbe 
indess etwas hart und scharf bei sorgfältiger Durchführung. Um die- 
selbe Zeit entstand eine thronende Madonna mit St. Sebastian und 
Johannes dem Täufer für S. Domenico in Fiesole, jetzt unter Nr. 1122 
in den Uffizien. Endlich gehört in diese Zeit das Altarbild der Geburt 
Christi in der Villa Albani zu Rom, welches von 1491 datirt. Bis 
zum Jahre 1500 bleibt Peruginds Kunst immer noch im Steigen; zu 
den schönsten' Werken dieser Epoche gehört die Himmelfahrt der 
liladonnaevom Jahr 1500, ehemals in der Kirche von Vallombrosa, 
jetzt in der Akademie zu Florenz. Doch sind die oberen Theile 
etwas bunt und grell in der Färbung, und die sehnsuchtsvoll auf- 
blickenden Heiligen sind nicht ohne conventionellen Beigeschmack. 
Christus am Qelberg ebendort, aus der Kirche della Calza, Christus 
am Kreuz zwischen der Madonna und dem h. Hieronymus aus dem 
Kloster delle Poverine, gehören ebenfalls zu seinen tüchtigen Arbeiten. 
Weit geringer sind in derselben Sammlung die Figuren, welche er der 
von Filippino Lippi unvollendet gelassenen Kreuzabnahme aus der 
Kirche der Annunziata hinzugefügt hat.  
Um 1500 entstand sodann für die Josephsbrüderschaft in S. Lo- 
renzo zu Perugia das grosse Altarbild der Vermählung Maria, jetzt 
im Museum zu Caen befindlich. (Fig. 129.) ES gehört nicht Zu den 
bedeutendsten Schöpfungen Peruginds, obwohl es schöne Köpfe, edle 
Gewänder und eine gewisse Festlichkeit der Stimmung aufweist. Die 
conventionellen Stellungen, die wie so oft bei Perugino gar zu schwäch- 
Lübke, Italien. Malerei. I. Q8
        

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