Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1268613
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Buch. 
Frührenaissancp. 
Die 
den h. Geist herabsendet, und in der schönen Frühlingslandschaft sieht 
man im Hintergrunde links Johannes den Täufer predigen, rechts 
Christus das neue Lehramt ausüben. Die Federstudie zu den beiden 
Hauptfiguren besitzt die StädePsche Sammlung in Frankfurt. 
 Steht hier der Künstler den grössten Zeitgenossen ebenbürtig da, 
so gilt dies in vielleicht noch höherem Grade von dem dritten Bilde, 
der Schlüsselverleihung an Petrus. (Fig. 128.) Hier ist die ganze 
Grösse eines Ghirlandajo, machtvolle Feierlichkeit des Eindrucks, 
rhythmischer Stil der Gewänder, Adel und Schönheit der Charakteristik. 
Den Hintergrund schliessen zwei Darstellungen des Constantinbogens 
und dazwischen im Mittelpunkt ein achteckiger Kuppelbau im Stil der 
F rührenaissance, gleichsam als idealer Ausdruck römischer Herrlichkeit. 
Den weiten Tempelplan hat der Künstler mit einer Menge von Figuren 
ausgefüllt, die nur dazu da sind, um sein Geschick in der Darstellung 
mannigfaltiger Bewegungen zu zeigen. Der landschaftliche Hintergrund 
giebt nicht die romantischen Gebirgsthäler Umbriens, sondern die sanf- 
ten Hügelzüge, wie sie beim Monte Mario das Tiberthal begleiten. 
Noch drei grosse Bilder, die Geburt Christi, ihr entsprechend die 
Findung Mosis und in der Mitte die Himmelfahrt, hatte Perugino an 
der Altarwand ausgeführt; sie mussten später dem jüngsten Gericht 
Michelangelds weichen. 
Von den Arbeiten, welche der Meister für den Palast Giuliano's 
della Rovere ausgeführt hat, ist nichts auf uns gekommen; ebenso sind 
seine Fresken im Kloster der Gesuati bei Florenz untergegangen. 
Dagegen sieht man ein treifliches Wandbild des Gekreuzigten zwischen 
Magdalena, Maria und Johannes, St. Bernhard und Bencdiktus im 
Kapitelsaal des Klosters von Sta. Maria Madalena dei Pazzi zu Florenz. 
Hier ist in religiöser Innigkeit die Vollendung dessen was Fiesole 
angestrebt hatte. 
Es folgen nun die bedeutenden Fresken, mit welchen er bis 1500 
den Saal des Cambio zu Perugia geschmückt hat. Er hatte hier 
eine Dekoration auszuführen, bei welcher die religiöse Grundstimmung 
durch den segnenden Gottvater ihren Abschluss findet, Während zu 
den Propheten und Gesetzgebern des alten Bundes die Sybillen, zu 
den Tugenden die berühmtesten Helden des Alterthums sich gesellen. 
An der Rückwand, dem Eingang gegenüber, die Anbetung der Hirten 
und die Verklärung Christi. An der gewölbten Decke die sieben 
Planeten in ihren göttlichen Personiiikationen und die Zeichen des 
Thierkreises. Dem ganzen Werk, dessen Programm von dem berühmten
        

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