Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1268585
Kapitel. 
Umbrien. 
VOYI 
Die Schule 
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Credi ausgenommen, der aber deutlich den Einfluss Peruginds verräth. 
Auch seine landschaftlichen Hintergründe haben eine Feinheit der Ab- 
tönung, wie sie den damaligen Florentinern nur ausnahmsweise gelingt. 
Kein Wunder daher, dass der hohe Schönheitssinn und die malerische 
Vollendung dieser Werke die Zeitgenossen in Erstaunen setzte. Kein 
Künstler des 15. Jahrhunderts hat sich dem Ideal so sehr genähert 
wie Perugino; er hat den Weg bezeichnet, auf welchem sein grosser 
Schüler Rafael, den letzten Rest von Befangenheit abstreifend, zur 
lautersten Schönheit vordringen sollte. 
Das äussere Leben Perugino's bietet einen reichen Scenenwechsel. 
Die erste bestimmte Nachricht ist, dass er 1475 Aufträge "für Aus- 
schmückung des Palazzo Pubblico zu Perugia erhielt. Als bald darauf 
die Stadt in schwere Kriegsbedrangniss kam, ging er nach Florenz, 
wo er rasch zu solchem Ansehen gelangte, dass man ihn neben Grhir- 
landajo und Botticelli zur Ausschmückilng des Palazzo vecchio berief. 
Da er diesem Auftrage nicht nachkam, so trat Filippino Lippi für ihn 
ein. Wir finden ihn dann 1484 vorübergehend in Perugia, bald darauf 
aber in Rom, wo er für Sixtus IV. neben den berühmtesten Horentiner 
Meistern in der sixtinischen Kapelle arbeitete. Diese bedeutenden 
Auftrage werden auch der Grund gewesen sein, weshalb er weder für 
Perugia noch für Florenz sich fesseln liess. Zwischendurch erfahren 
wir, dass er 1486 in Florenz wegen eines beabsichtigten meuchlerischen 
Üeberfalls vor Gericht gezogen und bestraft wurde. Auch die Orvie- 
taner versuchten 1489 und in den folgenden Jahren vergeblich, ihn 
für die Vollendung der Fresken Fiesole's zu gewinnen. 1490 sehen 
wir ihn zu den Berathungen wegen der Horentiner Domfaeade herbei- 
gezogen, dann aber begiebt er sich 1491 wieder nach Rom, wo er für 
den nachmaligen Papst Julius II., Giuliant) della Rovere, Kardinal von 
Ostia, Arbeiten ausführte. Seit 1492 finden wir ihn sodann in Florenz 
niedergelassen und mit mannigfachen Aufträgen betraut. Dies hindert 
ihn indess nicht, 1493 in seiner Vaterstadt Citta della Pieve in den 
Rath gewählt zu werden. Immer weiter dringt sein Ruhm, so dass 
er 1494 den Auftrag erhält, für den Dogenpalast zu Venedig zwei 
historische Wandbilder zu malen, wofür man ihm 400 Dukaten bot. 
Da er aber das Doppelte verlangte, so zerschlug sich die Sache. Wir 
finden ihn nun in den folgenden Jahren dauernd in Florenz, Wo er 
eine erstaunliche Thätigkeit entfaltet und zu allen künstlerischen Be- 
rathungen zugezogen wird. Bei gelegentlichen Besuchen in Perugia. 
erhält er auch dort ansehnliche Aufträge, ja im Jahre 1498 trifft ihn
        

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