Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1268571
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Buch. 
Die Frührenaissaxlce. 
sich nach Florenz, wo die grossen Schöpfungen Masaccids auf ihn 
mächtig einwirkten und er in lebendigem Wetteifer mit seinen Alters- 
genossen Botticelli und Ghirlandajo seine Kunst immer mehr von 
umbrischer Einseitigkeit befreite. Dennoch war die schwärmerische 
Empfindungsweise seiner Heimath ihm so tief eingepflanzt, dass sie_ 
stets den Grundzug seiner Schöpfungen ausmacht. Unter den Floren- 
tinern ist es nach dieser Richtung Fiesole, dem er sich am meisten 
verwandt fühlte, nur dass bei Perugino ein stärkerer ekstatischer Zug 
hervortritt, der sich zugleich mit einer vollkommneren Durchbildung 
der Gestalten verbindet. Gegenüber dem fast herben Ernst, der 
männlichen Strenge, dem energischen und selbst unschönen Realismus 
von Meistern wie Castagno und Ghirlandajo führt die umbrische Grund- 
lage bei Pietro zu weicher Anmuth und seelenvoller Schönheit, die 
sich in den milden Köpfen mit ihrem entzückten Aufblick oder dem 
träumerischen Versunkensein, in den weich hingegossenen Stellungen 
und den melodisch fliessenden Gewandfalten deutlich ausspricht. Be- 
sonders im Andachtsbilde bringt er diesen engen Kreis von Stimmungen 
immer wieder zum Ausdruck, oft mit einer hinreissenden Wahrheit 
und Innigkeit der Empfindung. Aber da. diese Themata immer von 
Neuem verlangt Wurden und einer gewissen Durchschnittslinie des reli- 
giösen Gefühls vorzüglich entsprachen, so fiel Perugino bei gesteigerten 
Bestellungen einer leidigen Bequemlichkeit anheim und hielt es nicht 
unter seiner künstlerischen Würde, dieselben Typen, Motive, Ausdrucks- 
weisen, Stellungen, ja ganze Compositionen ziemlich gedankenlos zu 
wiederholen. Es giebt daher keinen unter den grossen Künstlern jener 
Zeit, der sich mit einer so engen Auswahl conventioneller Formen 
begnügt, und bei dem das ursprünglich tief Empfundene so schnell zu 
äusserlicher Schablone wird. Der Werth solcher Dutzendschöpfungen 
wird dann noch dadurch beeinträchtigt, dass er einer grossen Zahl von 
Gehülfen sich bediente, um allen Bestellungen gerecht zu werden. 
Trotz alledem ist seinen meisten Werken ein nicht geringer Reiz eigen, 
der mit darauf beruht, dass diese weiche Gefihlsseeligkeit in einer 
F arbentechnik ihren Ausdruck findet, deren unvergleichlicher Schmelz 
der unmittelbare Ausfluss dieser Empfindung zu sein scheint. Denn 
obwohl zuerst in der Temperatechnik aufgewachsen, eignete sich Peru- 
gino in der Werkstatt Verrocchids, wo er wahrscheinlich mit Lionardo 
zusammentraf, die Vortheile der Oelmalerei an, die er zu einer Klar- 
heit, Kraft und Harmonie entfaltete, wie sie die meist etwas zum 
Bunten neigenden Florentiner nicht kannten, den einzigen Lorenzo di
        

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