Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1268519
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Buch. 
Die Frührenaissance. 
Engel sich zeigt, während zu beiden Seiten des Thrones je vier 
Heilige stehen, die den in Rittertracht knieenden Stifter der Madonna 
empfehlen. Die jugendliche Gestalt des h. Michael, die mütterlich 
holde Madonna, die anmuthvollen Engel berühren uns wie mit rafae- 
lischer Empfindung. In Ürbino sieht man sodann noch ein Martyrium 
des h. Sebastian in S. Sebastiano, in der Sakristei des Domes Figuren 
von sechs Aposteln, in dem ehemaligen Hause des Meisters den Rest 
eines Freskobildes der Madonna, die an einem Pulte liest und das 
schlummernde Kind irmig an ihre Brust drückt. Man mag sich gern 
denken, dass es das Bild seiner Gattin sei, die er mit ihrem Söhnchen 
Rafael zur Madonna umgestaltet.  Von andern Werken Giovannfs 
nennen wir noch einen h. Hieronymus in der Galerie des Lateran 
und eine Verkündigung in der Brera zu Mailand (Nr. 173), aus 
Sta. Maria Maddalena in Sinigaglia stammend, ebenfalls etwas trocken 
in der Farbe und nicht ohne Mühsamkeit in der Modellirung, aber 
von zarter Innigkeit religiöser Empfindung. Die Madonna empfängt, 
in einer schönen Bogenhalle stehend, die etwas gezierten Hände über 
der Brust gekreuzt, die Botschaft des Engels, der vor ihr kniet. Üri- 
ginell ist, dass Gottvater mit der Weltkugel in einem Medaillen herab- 
schwebt, und dass auf einem kleinen Wölkchen das nackte Christuskind, 
den Kreuzesstamm schulternd, ihm voran der künftigen Mutter ent- 
gegeneilt. So verbindet sich also die Empfängniss mit der Verkün- 
digung. Die Hügellandschaft des Hintergrundes ist sehr kindlich 
behandelt. Aus Ürbania endlich stammt ein Altarbild im Museum zu 
Berlin Nr. 139. Es enthält wieder die thronende Madonna mit vier 
Heiligen, Welche einen knieenden Stifter aus der Familie Matarozzi 
empfehlen. Auch dieses Werk gehört nicht zu den vorzüglicheren 
Arbeiten des Künstlers, da es an einer gewissen Trockenheit der Fär- 
bung und Flauheit der Charakteristik leidet. Die Köpfe sind mühsam 
modellirt, das schmale Gesicht der Madonna, nicht ohne alterthümliche 
Befangenheit, von gediegener Sorgfalt der Behandlung. 
Giovanni war in erster Ehe mit Magia Ciarla vermählt, welche 
ihm ausser Rafael noch einen Sohn schenkte, der bereits 1485 starb. 
In demselben Jahre verlor er seinen Vater Sante und führte fortan 
sein Geschäft selbständig. Als 1491 die liebevolle Mutter des kleinen 
Rafael starb, verheirathete Giovanni sich zum zweiten Male mit Ber- 
nardina, der Tochter eines Goldschmieds, Pietro di Parte. Bald darauf 
(1494) segnete auch Giovanni das Zeitliche, seinen Lieblingssohn den 
Händen einer unfreundlichen Stiefmutter hinterlassend.
        

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