Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1268498
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I1. Buch. 
Die Frührenaissance. 
der wackre Künstler in herzlicher Wärme der Empfindung, aber stets 
mit einem Anfluge alterthümlicher Befangenheit behandelt. Doch be- 
weist er durch das Streben nach plastischer Ausbildung der Form, 
durch die tüchtigen perspektivischen und architektonischen Kenntnisse, 
dass er ein nicht unwürdiger Zeitgenosse des Piero della Francesca war. 
Zu seinen frühesten Werken gehört das Fresko in der Kapelle 
der angesehenen Patrizierfamilie Tiranni zu Cagli, in S. Domenico, 
vom Jahre 1481. Es stellt nach einer besonders bei den Umbriern 
beliebten Auffassung den Heiland mit dem Qberkörper aus dem Grabe 
aufragend dar, von den Heiligen Hieronymus und Bonaventura verehrt. 
Die Unvollkommenheiten der Zeichnung und des Kolorits werden durch 
den rührenden Ausdruck der Trauer aufgewogen. In einer andern 
Kapelle derselben Kirche sieht man eine thronende Madonna zwischen 
Franziskus und Petrus, Johannes dem Täufer und Thomas von Aquino; 
darüber die Auferstehung Christi, der inmitten der schlafenden Wächter 
nnit der Siegesfahne hervorschreitet. Am Gewölbe der segnende Gott- 
vater, von anbetenden und rnusizirenden Engeln umschwebt. Umbrische 
Gefühlswärme kreuzt sich hier mit einer gewissen Scharfe der Form- 
bezeichnung, die an Melozzo erinnert. Einen Grad höher entwickelt 
zeigt sich die Kunst des Meisters in dem grossen Altarbilde der thro- 
nenden Madonna mit Macarius, Helena, Sebastian und Rochus in Sta. 
Croce zu Fano, bezeichnet mit dem Namen „Johanes Santis". Hier 
namentlich tritt nicht bloss in der Oeltechnik, sondern meln' noch in 
dem weichen gemüthvollen Ausdruck der Köpfe und in dem edlen 
Gewandwurf ein entschiedener Einliuss Peruginds hervor. Die Reinheit 
der Empfindung hat etwas von dem Seelenadel, der nachher in Rafael 
seine zarteste Blüthe hervortreiben sollte. Minder ansprechend, wenn- 
gleich ebenfalls von tüchtiger Durchbildung, ist die Heimsuchung in 
Sta. Maria Nuova, gleich jenem Werke mit dem Namen des Künst- 
lers bezeichnet. Eine werthvolle Arbeit ist sodann die thronende 
Madonna mit Johannes und Michael, Stephanus und Sophia in der 
Kirche zu Gradara bei Pesaro, mit dem Namen des Künstlers und 
der Jahreszahl 1484. Leider ist das Bild nicht ohne Beschädigungen 
geblieben. Ein schönes Votivgemälde führte er sodann 1489 im Auf- 
 trage Gaspare Buf{i's für dessen Kapelle in S. Francesco zu Urbino 
aus, jetzt in der städtischen Galerie. (Fig. 126.) Neben der Madonna 
stehen Johannes der Täufer und S. Franziskus, Hieronymus und Se- 
bastian. Vor ihnen kniet der Stifter sammt seiner Gemahlin und ihrem 
kleinen Sprössling. Die Anmuth der Madonna, die würdevolle Charak-
        

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