Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1264174
Buch. 
Das Mittelalter. 
monumentalen Sinne aussprechen sollten: die Mosaiken. Im klassi- 
schen Alterthum hatte diese Kunstgattung eine untergeordnete Rolle 
gespielt, da man sie hauptsächlich zum Schmuck der Filssböden ver- 
wendete. Ein schön stilisirter Mosaikfilssboden der besten griechischen 
Zeit ist im Tempel zu Olympia aufgedeckt worden. Seit der Diad0chen- 
zeit, wo der üppigste Prunk die künstlerischen Unternehmungen charak- 
terisirte, nahm der Luxus auch dieser Arbeiten erstaunlich zu, und in 
dem Frachtschiff Hierons II. von Syrakus sah man in den Mosaiken 
des Fussbodens die Geschichten der Ilias dargestellt. Von der künst- 
lerischen Vollendung solcher Werke zeugen die Ueberreste Pompejfs, 
vor Allem die Alexanderschlacht. Üngleich gröber sind die der letzten 
antiken Epoche angehörenden Reste, wie z. B. die fast barbarischen 
Gladiatorenbilder in der Villa Borghese. Den ungeheueren Bedarf an 
solchen Werken bezeugen aber die umfassenden Ueberreste aus allen 
Gebieten des römischen Reiches, in Deutschland namentlich die Werke 
von Trier und Darmstadt (Fliessem und Vilbel). Auch der schöne 
Orpheus von Rottweil. 
Von diesem bescheidenen Dienst für die Fussböden wurde nun 
das Mosaik durch die altchristliche Zeit zu den höchsten Aufgaben 
berufen, welche die junge Kirche in dem triumphirenden Hochgefühl 
ihrer endlich erlangten Freiheit zu stellen hatte. Zweierlei Bauten 
waren es, bei denen das Mosaik seine neue Mission erfüllen sollte: die 
Basiliken und die Centralanlagen. Erstere boten vor Allem in der 
Apsis einen dominirenden Platz, von WO die Gestalten Christi und 
seiner Heiligen in mächtiger Grösse den ganzen Raum beherrschen 
konnten. Unmittelbar über der Apsis oder, wo ein Kreuzschilf vor- 
handen war, an der Oeffnung desselben gegen das Mittelschiff, über 
dem sogenannten Triumphbogen, stellten sich ebenfalls bedeutende 
Wandfläehen zur Verfügung, an denen das Mosaik ausgedehnten Spiel- 
raum fand. Endlich boten sich die Wandfelder über den Arkaden des 
Mittelsehiffes und selbst die Felder zwischen den Fenstern als geeignete 
Plätze für die Malerei. Ühne die Mithülfe dieser Kunst würden die 
ungegliederteu Flächen des Innern eine unerträgliche Oede ausgehaucht 
haben. Es ist bezeichnend für den völligen Umschwung der Anschauun- 
gen, dass es die Malerei war, die für diesen Dienst berufen wurde, 
während in den heidnischen Prachtbauten der Tempel, Thermen, Pa- 
läste die griechischen Saulenordnungen und Systeme von Nischen mit 
Statuen, also durchaus plastische Mittel die Belebung der Wände be- 
wirkten. So ausschliesslieh war bei den christlichen Gebäuden die
        

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