Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1268469
Kapitel. 
Umbrisch-toskanische 
Schule. 
415 
kleinen Bildern der Verkündigung, der Geburt Christi und der An- 
betung der Könige, ungemein keck und kräftig ausgeführt. Nicht 
weniger werthvoll in der Sammlung der Akademie, Galerie der kleinen 
Gemälde Nr. 1, eine kühn behandelte Predella mit dem Abendmahl, 
dem Gebet zu Gethsemane und der Geisselung Christi. Auch im 
Louvre sieht man unter Nr. 402 ein interessantes Predellenbildchen 
der Geburt Maria, voll Energie der Bewegungen, tief und kräftig ge- 
malt, mit keck aufgesetzten Lichtern. 
Von manchen andren Altartafeln des Meisters, die man sonst 
noch in Galerieen antrifft, nehmen wir Umgang, um mit einigen 
Worten jene andre Gattung von Bildern zu erwähnen, Welche den Stoff 
aus dem klassischen Alterthum schöpft. Von den für Pandolfo Petrucci 
ausgeführten Fresken sind einige, auf Leinwand übertragen, in der 
Akademie von Siena aufbewahrt: des Aeneas Flucht aus Troja, und 
eine Scene aus der römischen Geschichte, wo Gefangene vor einen 
thronenden Feldherrn geführt werden. Diese ist durch treffliche nackte 
Aktfiguren anziehend, während die Flucht aus Troja in jenem naiven 
Mischstil erzählt ist, den wir an Benozzo Gozzoli kennen. Signorelli 
erinnert hier in der That an diesen, auch in der etwas dekorativen 
Flüchtigkeit der Behandlung. Zwei andre dieser Bilder, der Triumph 
Amors und Coriolan vor Rom sind in die Sammlung Barker nach 
London gekommen. Üngleich höher steht ein neuerdings in das 
Museum von Berlin gelangtes Bild, das als die Schule des Pan be- 
zeichnet wird. (Fig. 125.) Es ist wahrscheinlich für Lorenzo de' Medici 
gemalt worden, wie denn derselbe Gegenstand sich auch unter den 
Fresken des Palazzo del Magniüco befand. Dies Bild, rauh und uner- 
freulich in der Farbe und nicht mehr in gutem Zustande, ist doch 
unschätzbar wegen der reinen poetischen Stimmung und der grossartigen 
Freiheit in Behandlung des Nackten. In ziemlich lockerem Gefüge grup- 
piren sich fünf Gestalten um den in der Mitte thronenden Pan: ein auf 
der Flöte blasender Jüngling, dem ein bedächtig abwägender Mann 
entspricht, während vorn ein Alter, auf den Stab gestützt, nach einer 
herrlichen Frauengestalt hinüberblickt, die man wohl als die Nymphe Echo 
aufzufassen hat, da sie mit einem Rohre die Töne aufzufangen scheint, 
welche ein am Boden liegender Jüngling seiner Rohrflöte entlockt. Die 
reine Schönheit jugendlicher Gestalten, der poetische Zauber träume- 
rischen Versunkenseins verleiht diesem Werke eine hohe Bedeutung.  
Von Schülern Signorellfs ist nicht viel zu melden; er hat nur 
unbedeutende Gehülfen neben sich gehabt. Dagegen ist seine Einwir-
        

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