Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1268415
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Buch. 
Frührenaissance. 
Die 
herab und winken den hinaufschauenden Auferstandenen, um sie zur 
Herrlichkeit des Paradieses zu geleiten. (Fig. 122.) Auf der andern 
Seite sieht man die Schaaren der Verdammten, von Teufeln gepeinigt, 
verzweiflungsvoll an den öden Ufern des Acheron umherirren, wo der 
grause Fahrmann sie unerbittlich von seinem Naehen fern halt, wah- 
rend oben in den Lüften zwei hünenhafte kriegerische Engel mit 
Schwertern mitleidvoll hinabsehauen und den Eingang zum Himmel 
versperren. S0 mischen sich auch hier wieder antike und mittelalter- 
liche Anschauungen. Daran schliesst sich an der rechten Wand die 
grosse Darstellung der Verdammten, die von unheimlichen Teufels- 
gestalten mit allen erdenklichen Qualen gcpeinigt werden. Es ist ein 
wilder Knäuel voll Entsetzen, wo die Phantasie des Künstlers die dä- 
monischen Anschauungen des Alterthums mit denen des Mittelalters 
zu einer Scene erschütternder Tragik zusammenfasst. Inden Lüften 
sieht man einerseits drei gewaltige Kriegergestalten von Engeln, die 
mit ihren Schwertern den Eingang des Himmels bewachen, während 
einzelne kühne Eindringlinge, hauptlings die Luft durehsausend, zurück- 
geschmettert werden, eine andre dieser armen Seelen von einem Teufel 
auf dem Rücken zum Flammenpfuhl hinabgetragen wird. Hier ist die 
Quelle der gewaltigsten Inspirationen Michelangelds. Daneben folgt 
dann die Auferstehung alles Fleisches, in unvergleichlicher Kühnheit und 
Mannigfaltigkeit der Gruppen. (Fig. 123.) Einige ringen sich mühsam 
auf den Posaunenschall zweier in der Luft erscheinenden Engel aus der 
Erde los, andere drücken mit ergreifender Wahrheit das Wonnegefühl 
wiedererlangten Lebens aus, Während wieder andere sehnsuehtsvoll zum 
Himmel hinaufschauen. Den Abschluss bildet die Eingangswand, wo 
man links von der Thür die von Blitzstrahlen niedergeschmetterte 
Menschheit sieht, während rechts die Zerstörung Jerusalems mit allen 
Seenen des Entsetzens das Herannahen des jüngsten Tages verkündigt, 
Sonne, Mond und Sterne aus ihren Bahnen weichen, und im Vorder- 
grund eine Gruppe von Philosophen in orientalischem Kostüm mehrere 
in straffe Zeittracht gekleidete Krieger auf die ungeheuren Ereignisse 
aufmerksam machen. 
Nach Vollendung dieses grossartigen Cyclus finden wir den Meister 
wieder in seiner Vaterstadt, WO er hochgeachtet und mit ansehnlichen 
Aemtern betraut den Abend seines Lebens in rastloser Thätigkeit hin- 
brachte. Nach Florenz wurde er 1508 in einer Gesandtschaft von 
seiner Stadtbehörde geschickt, und ebenso gehörte er 1512 zu der 
städtischen Deputation, welche die Medici zu ihrer Rückkehr beglück-
        

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