Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1268385
Kapitel. 
Umbrisch-toskanische 
Schule. 
407 
Fiesole unvollendet gelassene Ausschmückung der Madonnenkapelle des 
Domes zum Abschluss brachte. Erst hier erscheint der sechzigjährige 
Meister auf der vollen Höhe seiner Kunst und schafft eins jener grossen 
Monumentalwerke, welche den höchsten Ruhm der italienischen Malerei 
ausmachen. Zuerst vollendete er die von Fiesole begonnenen Malereien 
des Gewölbes, für welche man ihm zwar nicht die verlangten 200 
Dukaten bewilligte, aber ausser den Gerüsten, dem Material sowie 
Gold und Ultramarin 180 Dukaten sammt freier Wohnung und zwei 
Betten. Alle übrigen Bestimmungen des Contrakts beweisen, mit wel- 
cher Umsicht und Sorgfalt man bei solchen Anlässen verging. Als er 
später geltend machte, dass er bei diesen Bedingungen nicht bestehen 
könnte, gab man ihm eine Vergütung in Korn und Wein. Für die 
grossen Gemälde an den Wänden forderte er 600 Dukaten; die spar- 
same Domverwaltung handelte davon 25 Dukaten ab, bewilligte ihm 
aber dafür wieder freie Wohnung, Korn und Wein. Im August 1502 
war das grosse Werk vollendet. 
Der ganze Raum sollte nach dem Evangelium Matthai 24 eine 
Darstellung der letzten Dinge enthalten: Auferstehung, Gericht, Himmel 
und Hölle. Den Weltrichter mit seinen himmlischen Schaaren hatte 
Fiesole am Gewölbe zu malen begonnen (vgl. S. 274). Für die Wand- 
felder blieb nun die Schilderung der Auferstehenden und des jüngsten 
Gerichts. Eine divina Commedia von riesigem Maassstab ist das Ganze, 
erfüllt von dem grandiosen Geist eines Dante, aber nicht mehr gebun- 
den an die veralteten Anschauungen früherer Darsteller. Neu, gross, 
gewaltig ist die Welt, die der kühne Meister auf diesen Flachen un- 
vergleichlich ausgebreitet hat. Die Raumgliederung geht davon aus, 
dass über dem Altar am Gewölbe der Weltrichter erscheint; zu seiner 
Rechten (also dem Eintretenden links) sind die Chöre der Seligen und 
Auserwählten, zu seiner Linken die Verdammten dargestellt. Zunächst 
malte Signorelli am Gewölbe nach Fiesole's Vorlagen die Madonna mit 
den Aposteln und die Engel mit den Marterwerkzeugen, als Ergänzung 
des von Fiesole begonnenen Kreuzgewölbes. Obwohl er hier in der 
Composition noch abhängig von seinem Vorgänger ist, verrathen die 
Köpfe und der Wurf der Gewänder die gewaltige 'Wll(3l1t seines eigenen 
Stiles. Noch mehr gilt dies von den Gemälden des vorderen Kreuz- 
gewölbes, wo er die Kirchenvater, die Patriarchen, die heiligen Jung- 
frauen und die Märtyrer darstellte. Auch hier verbindet sich in dem 
feierlichen Aufbau ein Nachklang Fiesole's auf's Glücklichste mit der 
plastischen Grösse und der energischen Charakterfülle des gewaltigen
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.