Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1268311
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Buch. 
Die Frührenaissance. 
erinnert wiederum wie bei Mantegna an bemalte Plastik und lasst einen 
Mangel an malerischem Sinn erkennen. Ungemein reich und geschmack- 
voll ist die Ornamentik, die wie bei Mantegna eine hohe Begeisterung 
für das klassische Alterthum verräth. Nicht minder herb, aber voll 
kühnen Lebens sind die Wandbilder der Kapelle, welche Scenen aus 
der Legende des h. Jakobus in einer scharf realistischen Behandlungs- 
weise darstellen. An einem Pfeiler liest man die Bezeichnung „Marcus 
Palmezzanus pictor Foroliviensis". Die merkwürdige Inschrift „Marous 
de Melotius" findet man auf einem Bilde der Franziskanerkirche zu 
Matelica vom Jahre 1501 mit einer thronenden Madonna, und auf 
einer Apotheose des h. Antonius in der Annunziata zu Forli. Im 
Üebrigen kennen wir von dem Meister nur Altartafeln, deren sich 
eine grosse Anzahl aus den verschiedenen Epochen seines Lebens 
voründen. Sie beweisen, dass der wackere, aber etwas beschränkte 
Künstler, unbeirrt und unberührt von den grossen Strömungen der 
Kunst des 16. Jahrhunderts, in seinen engen Kreisen sich ohne weitere 
Entwicklungen in einfachen streng kirchlichen Anschauungen bewegt 
hat. Die thronende Madonna und der leidende Erlöser sind seine 
Themata, die er immer auf's Neue ohne grosse Mannigfaltigkeit der 
Motive behandelt. Am Meisten scheint er in der Auffassung der Form 
durch Mantegna bedingt, ohne jedoch jemals dessen tiefes Lebensgefühl 
zu erreichen. 
Die frühesten unter diesen Werken finden wir in der Brera zu 
Mailand, Wo eine Darstellung der Geburt Christi mit seinem Namen 
und der Jahreszahl 1492 bezeichnet ist, ein noch sehr befangenes Werk 
von durchaus conventioneller Anordnung und Auffassung. Bedeutender 
ist ebendort die thronende Madonna mit vier Heiligen, welche das 
Datum 1493 rund die kauderwälsche Bezeichnung "Marchus Palmizzanus 
Foroliviense fecerunt" tragt. Hier ist der Einfluss Mantegna's unver- 
kennbar, aber das Lebensgefühl ist nicht gross, die Köpfe sind nüchtern 
und die Figuren stehen auf schwachen Beinen. Etwas hölzern ist auch 
(ebendort) eine Krönung der Jungfrau mit zwei verehrenden Heiligen; 
von gewissenhafter und gediegener Ausführung. Eine seiner besten 
Arbeiten ist die thronende Madonna mit den Heiligen Michael und 
Jakobus im'Waisenhause zu Faenza, welche man ihm 1497 auftrug, 
mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass die Tafel in feinen Farben, 
feinem Gold und in Oel ausgeführt werde. Er erhielt dafür im Jahr 
150D den Preis von 60 Dukaten. Gleich diesem Bilde sind alle seine 
Altartafeln in Oel ausgeführt.
        

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