Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1268303
Kapitel. 
Umbrisch-toskanische 
Schule. 
401 
einem Buche vorlesen. Noch drei Personen sitzen dabei, Während drei 
andre eben eintreten. Der Herzog hat hier offenbar eine jener beliebten 
Scenen seines Privatlebens darstellen lassen, wo er mit seinen Höf- 
lingen sich an der Vorlesung eines antiken Schriftstellers erbaute. 
Auch hier erkennt man in der breiten Behandlung und der meister- 
haften Perspektive die Hand Melozzo's. 
Noch ein interessantes Werk, theilweise in der Nationalgalerie 
zu London, zum Theil im Museum zu Berlin, liefert den Beweis, 
dass Melozzo für Herzog Federigo thatig-war. Das Stück in Berlin, 
dort unter Nr. 54 und dem Namen Bramantino, bildet den mittleren 
Theil des Ganzen. Es zeigt auf einem Thron eine allegorische Figur, 
die einem Knieenden mit den Insignien des Herzogs von Urbino ein 
Buch überreicht: von bedeutendem Ausdruck, saftig und breit be? 
handelt in tiefem Ton und grossen Massen; ganz herrlich in breitem 
Wurf _wirkt der rothe Mantel. Daran reihen sich die beiden Seiten- 
stücke in London Nr. 755 und 756, welche die Rhetorik sowie die 
Musik ebenfalls thronend darstellen, deren jede einem vor ihr Knieenden 
ein Buch übergiebt, wobei die Musik noch auf eine kleine Orgel hin- 
weist. Diese Arbeiten gehören wegen ihres breiten, freien Stiles in 
die spätere Zeit des Meisters und mögen sämmtlich nicht lange vor 
dem Tode Herzog Federigds (1482) entstanden seinw  
Was sonst noch auf Melozzo zurückgeführt wird, hat keinen 
Anspruch auf seinen Namen. Als er 1494 starb, hinterliess er als 
seinen künstlerischen Nachfolger den Marco Palmezzavzo, der durch 
seine zahlreichen Werke sich als sein Schüler und Erbe zu erkennen 
giebt. Marco scheint 1456 in Forli geboren zu sein und lebte bis 
1537, unablässig in einer grossen Reihe meist mit seinem Namen be- 
zeichneter Bilder die ältere noch gebundene Kunstweise bis tief in's 
16. Jahrhundert fortführend. Er beginnt mit denselben kühnen per- 
spektivischen Darstellungen, in welchen Melozzo sich hervorgethan 
hatte und führt sich in mehreren seiner früheren Werke dadurch ein, 
dass er den Namen seines Meisters dem seinigen hinzufügt. Einige 
dieser Arbeiten hat man dem Melozzo selbst zuschreiben wollen, so 
namentlich die Fresken in einer Kapelle der Kirche S. Girolamo zu 
Forli. Hier ist in einer meisterlich gezeichneten Kuppelarchitektur eine 
Reihe von sitzenden Figuren in kühner Verkürzung dargestellt, ähnlich 
wie Mantegna dergleichen im herzoglichen Palast zu Mantua ausgeführt 
hat. Auch die dabei angewendeten Kinderfiguren sind ganz im Geiste 
lllantegnas. Eine auffallende Schärfen und Härte in den Gestalten 
Lübke, Italien. Malerei. I. 26
        

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