Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1268217
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Buch. 
Frü hrenaissance. 
seiner ersten Gemahlin sich scheiden lassen, die zweite angeblich ver- 
giftet, die dritte, eine Tochter des Francesco Sforza, erwürgt und sich 
zum vierten Mal mit der schönen und geistreichen Isotta vermählt, 
die durch ihre ausgezeichnete Bildung und Liebenswürdigkeit einen 
mildernden Einfluss auf ihn gewann. Ihr zu Ehren, sich und den 
Seinigen zum Ruhm liess er durch Leo Battista Alberti die gothische 
Kirche des h. Franziskus zu Rimini mit einer prachtvollen Marmor- 
dekoration innen und aussen völlig im Sinne eines antiken Mausoleums 
erbauen. Neben der überschwenglichen Pracht plastischer Dekoration 
sieht man in der Reliquienkapelle über dem Eingang ein Freskobild 
Piero's, welches den Gewaltherrscher im Profil, von zwei Lieblings- 
doggen begleitet, vor dem Throne des h. Sigismund knieend darstellt, 
eingerahmt von einer meisterhaft durchgeführten Renaissance-Architektur. 
In schneidender Lebenswahrheit, mit bewundernswürdiger Scharfe der 
Zeichnung und Modellirung, in unerbittlicher Nüchternheit und Wahr- 
heit, ohne einen Hauch von religiöser Empfindung, tritt das Ganze 
vor uns hin. Dem Heiligen ist sogar in diesem scharfen Luftzug des 
Realismus der Nimbus abhanden gekommen. Die Färbung ist klar 
und fein in einem gelblich warmen Ton durchgeführt. 
Zur Höhe dramatisch-historischer Darstellung erhebt sich sodann 
Piero in einem seiner Hauptwerke, dem Freskencyclus im Chor von 
S. Francesco zu Arezzo. Er hatte hier die Legende vom Kreuze 
Christi darzustellen, und wenn man diese Werke mit der Behandlung 
desselben Gegenstandes durch Angelo Gaddi (S. 148) in Sta. Croce 
vergleicht, so erkennt man sofort den scharfen Gegensatz der Zeiten. 
Bei Piero liegt durchaus der Nachdruck auf der naturwahren realisti- 
schen Entwicklung der Gestalten und der Gruppen, was besonders in 
den Scenen vom Tode und von der Bestattung Adams hervortritt. 
Die Legende vom h. Kreuz knüpft nämlich in tiefsinniger Weise an 
die Sage, dass aus dem Baume des Paradieses das Kreuz Christi abÄ 
stamme. So wird denn Adams Tod als Ausgangspunkt für die Legende 
vorgeführt. Hier vor Allem konnte der Künstler seine gediegene 
anatomische Kenntniss des menschlichen Körpers zur Geltung bringen. 
Der eine Sohn Adams, der nach vorn gebeugt als Zuschauer sich mit 
übergeschlagenen Beinen auf seinen Stab stützt, ist ein Motiv, welches 
Signorelli später bei seinen Fresken in der sixtinischen Kapelle ver- 
werthete. Von den übrigen Scenen ist besonders die Schlacht, in 
welcher Kaiser Heraclius das h. Kreuz vom Perserkönig Chosroes 
zurückerobert, voll kühner Bewegung, bei allerdings noch mangelhafter
        

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